Die Findelsocke
by Rebecca
Aus meinem dynamischen Katzenduo ist mittlerweile in Trio geworden ...
Vor ziemlich genau 4 Wochen war mein Katermann Filou der Meinung, er müsste mal ausprobieren wie es ist, in einer lauen Sommernacht draußen rumzuturnen. Ich war halb wahnsinnig vor Sorge, weil er einfach nicht heim kam und der Michael hat sogar mit der Matratze vor der Terrassentür campiert. Am nächsten Morgen - es war Sonntag - immer noch keine Spur von Filou. Gegen 9 Uhr hab ich mich angezogen und bin runter zum Neubaugebiet gelaufen ... ich weiß, dass er da gerne auf der großen "Katzenwiese" rumtrollt ... und tatsächlich, da war er! Auch ohne Brille wusste ich, dass es mein Kater war der da rumspazierte - er hat einen sehr typischen Gang. Ich rief ihn, er sah mich an und schwupps ... schlug er den Weg nach Hause ein! Per Handy warnte ich Micha vor und während auch ich wieder nach Hause lief kam der Anruf - Kater daheim und am fressen ... Juhuu!
Als ich jedoch Zuhause ankam, saß auf unserer Terrasse ein Katzenkind und kam freudig auf mich zugelaufen. Ok, es ist nichts Ungewöhnliches wenn hier auch andere Katzen entlangspazieren ... aber der kleine Kerl verschwand nicht mehr - selbst als abends das tollste Gewitter
losbrach, saß er weiterhin auf meinem Terrassenstuhl.
Montagmorgen war er immer noch da, also rief ich erstmal bei uns im Rathaus an und fragte, ob sich jemand gemeldet hat,der seine Katze vermisst. Nix, niemand vermisste ihn. Als nächstes kamen dann Tierheim und Katzenhilfe dran, aber auch da war keine Katze als vermisst gemeldet. Als ich nachmittags von der Arbeit heimkam, saß er immer noch auf unserer Terrasse. Für die kommende Nacht baute ich ihm provisorisch ein "Nest" - falls er wieder nicht gehen wollte.
Dienstags dann fragte ich sämtliche Kollegen, welche hier im Ort wohnen, ob jemand wüsste wo eine Katze vermisst wird ... und tatsächlich,
einer wusste jemanden wo wohl eine fehlte und gab mir die Telefonnummer. Ich rief also nachmittags dort an und sprach mit der Tochter ...
"Ja, eine Katze täte wohl fehlen". Nun gut, ich packte den Findelkater also in den Kennel und fuhr ihn die 5 Kilometer heim. An der Adresse an-gekommen wollte ich gleich wieder umkehren - Bauernhof und jede Menge Katzen von "gerade erst ein paar Wochen alt" bis ausgewachsen ... verschnupft ... verzeckt ... einfach schlimm zu sehen! Aber die Tochter hatte mich schon bemerkt und kam aus dem Haus gelaufen. Nach einem kurzen Blick in den Kennel war sicher, der Kater gehört wohl hierher und schwups hatte sie ihn auch schon rausgelassen. Ich selbst war wie versteinert und wollte nur noch weg - nach kurzem Rundumblick wuselten dort ca. 30 Katzen jeden Alters rum. Als ich wieder im Auto saß,
kam der Bauer noch kurz und ich bat ihn, weil ich ja mit dem Auto wenden musste, die kleinen Katzenbabys zur Seite zu nehmen. Da sagte
dieser Mann doch wirklich: "Wenn du über eine drüberfährst macht das nichts. Hier laufen ja genug rum!" ... Für mich hieß das nur
noch hupenderweise die Flucht ergreifen - bloß weg von dort!
Wieder Zuhause angekommen bin ich erstmal in Tränen ausgebrochen - ich hatte das, für mich, total Falsche getan!
Als wenn dieses "Erlebnis" noch nicht genug war, kam an diesem Dienstagabend auch mein Filou wieder nicht nach Hause. Mittwochmorgen
bin ich, nach einer kurzen Nacht ohne Schlaf, vor der Arbeit wieder durchs Neubaugebiet ... und da lief er auch wieder rum. Am Abend bin
ich wieder zu Fuß runter, sah ihn und sprach mit den Bewohnern des einzigen Hauses da unten. Ja, der Kater liefe hier öfter rum ... der sei ja soooo lieb. Ja, er bekommt hier was zu futtern ... Hilfeeeeee! Ich hab erstmal Micha angerufen und ihn gebeten, diesen Menschen klar zu machen, dass sie nicht einfach fremde Katzen füttern können. Sicher, Filou trägt kein Halsband - ist aber gut sichtbar tätowiert und gechipt, außerdem auch entbömmelt. Gut, wir haben unsere Telefonnummer dagelassen falls Filou dort wieder auftaucht. Micha kam auf die Idee
unsere Webcam auf der Terrasse zu installieren... aber Filou kam an diesem Abend nicht heim - erst nachdem wir 20 Minuten in den Federn lagen ... und das haben wir erst am nächsten Morgen gesehen als wir uns den Webcammitschnitt angeschaut haben.
Mittlerweile war Donnerstag, ich war vom Nicht-Schlafen wie gerädert und kam von der Arbeit heim - wieder kein Filou. Am Abend ist
Micha dann ins Baugebiet. Dort lief er wieder rum. Ich wartete hier und lief mit Lucy durch den Garten. Irgendwann klingelte das Telefon, Micha war dran und meinte, dass Filou in Richtung Zuhause gelaufen sei ... und tatsächlich, 5 Minuten später stand mein Kater dann auf der Matte! Juhuuuuu!!!
Die nächsten 2 Tage vergingen, Filou hatte keine Lust auf Ausflüge (worüber ich schon irgendwie froh war), wir installierten in der Mückentüre eine Katzenklappe und zusätzlich noch draußen eine Klingelmatte. Lucy übte durch die Klappe zu laufen und alles war in Ordnung - wir
waren ja wieder komplett!
Es war Sonntagmorgen als ich, noch im Schlafanzug und mit 'nem Pott Kaffee in der Hand, durch den Garten schlenderte und die ersten Sonnenstrahlen genoss, als plötzlich mit einem lauten Miau aus der Hecke eine Katze auf mich zuschoss, zielstrebig an meinem Schlafanzug hochgesaust kam und mir schnurrend auf dem Arm landete - der Findelkater! Vor lauter Schreck habe ich in hohem Bogen meine Kaffeetasse in Nachbars Garten befördert und einen Schrei losgelassen. Micha kam aus der Wohnung gerannt weil er dachte, mir wäre sonst was
passiert - dabei saß nur das Katzenkind auf meinem Arm und schnurrte fröhlich vor sich hin. Frei nach dem Motto "Mensch, ich hab jetzt
aber lange nach dir suchen müssen".
Gut, jetzt war der kleine Kater wieder da - und ich wollte ihn nicht nochmal dorthin zurückbringen ... für mich war das wie ein kleines Wunder, dass er den Weg hierhin wieder gefunden hatte. Dennoch hatten wir nun ein kleines Problem ... wohin mit ihm? Von Filou weiß ich, dass er kein Problem mit anderen Katzen hat, aber Lucy wird fuchsteufelswild sobald auch nur eine andere Katze ihre Umlaufbahn kreuzt.
Da es noch warm draußen war, durfte die "Socke" erst einmal weiter auf der Terrasse wohnen. Ich schleppte ihn zu unserer Tierärztin.
Er wurde entwurmt und gegen Ohrmilben behandelt, er bekam was zu futtern, hatte einen warmen und trockenen Platz zum schlafen und
auch Filou & Lucy schienen sich an seine Anwesenheit auf der Terrasse zu gewöhnen - ich tauschte immer wieder seine Schlafdecke aus und legte diese hier in die Wohnung, damit meine beiden zumindest den Geruch kannten und sich nicht erschreckten, wenn sie selbst draußen wieder rumturnten und er da war. Parallel suchte ich unter Arbeitskollegen, Katzenfreunden, dem Tierheim und der Katzenhilfe nach einem neuen Zuhause für den Zwerg - ohne große Aussicht auf Erfolg. Tierheim voll, Katzenhilfe auch. niemand der den kleinen Schmuseschlumpf
hätte haben wollen. Da ihn unsere Tierärztin auf ca. 5 Monate geschätzt hat, wurde es höchste Zeit ihn zu impfen. Am 30. Juli war es dann soweit. "Socke" bekam seine erste Impfung.
Als ich mit ihm wieder daheim war, stand im Hof ein Betonmischer - unser Nachbar war dabei das Fundament für seine Gartenhütte zu gießen. Jetzt hatten wir also ein neues Problem, denn wenn ich den Knirps aus dem Kennel gelassen hätte, wäre er mit Sicherheit irgendwann rübergelaufen und im frischen Beton auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Ihn die nächsten 24 Stunden im Kennel zu lassen war auch keine Option, also erstmal mit ihm in unser Badezimmer. Ich rief unsere TA an und fragte was ich machen solle - ich war völlig ratlos, eine Zusammenführung war ja überhaupt nicht eingeplant gewesen - sie riet mir dann einfach mal die Türe aufzumachen, denn den Geruch sollten sie ja mittlerweile gewöhnt sein. Nun gut, also Türe auf und schon stand Lucy da und guckte ... schnupperte an der "Socke", ließ sich beschnuppern und das wars - kein Geknurre, kein Gefauche, gar nix! Als nächstes kam Filou um die Ecke, guckte sich den kleinen Kerl an, schleckte ihm einmal über den Kopf und ging in sein Körbchen und schlief! Ich war völlig baff und dachte an sowas wie "Ruhe vor dem Sturm", aber nix ist passiert. Lucy ist der Knirps zwar noch etwas suspekt und sie mag es nicht, wenn er so auf sie zugestürmt kommt - dann ergreift sie schon die Flucht - ansonsten ist sie so wie immer. Filou hat wohl so etwas wie Vatergefühle entwickelt. Das erste was er dem Zwerg beigebracht hat war, wie man seinen Haufen im KaKlo richtig vergräbt. Auch macht er zwar noch seine Runden draußen, schaut aber mehrmals hier vorbei und schaut wohl, ob alles in Ordnung ist.
Mittlerweile haben wir beschlossen, nachdem es hier nun gar keine Komplikationen gab und wir die "Socke" auch nicht einfach "irgendwohin" geben wollten, dass er hierbleiben darf! Jetzt sind es also wieder 3 Katzen hier im Haus.
Im Moment sind wir dabei uns einen richtigen
Namen für die "Socke" zu überlegen, aber so richtig fündig sind wir noch nicht geworden. "Socke" ist es bislang ja auch nur wegen seiner weißen Strümpfe ...
Nachtrag: Heute, am 24.08.2010, erreichte uns eine Email, über die wir uns riesig gefreut haben!
"Hallo ihr, habt ihr nun schon einen namen für euren \"Socke\"?? Ich finde - Find-Us - würde super passen, er hat euch 2x gefunden, auch wenn viele Kater Findus heissen, aber zu ihm und seiner Geschichte passt der Name wirklich. Das wollte ich euch nur kurz mitteilen und (...)
Liebe Grüße an euch und eure Fellnasen aus Brackenheim"
Wir stimmen der Schreiberin absolut zu! Findus passt wirklich und wir leiten ihre liebe Email gern an Rebecca und Michael weiter!
~ * ~
Noch ein Nachtrag: Heute, am 29.08.2010 wurden wir von Rebecca über Sockes Fortschritte informiert. Die möchten wir unseren Lesern natürlich nicht vorenthalten!
"(...) 2 Wochen sind schon wieder ins Land gezogen...
Himmel, wie die Zeit vergeht, jetzt ist der Schmuseschlumpf schon 4 Wochenbei uns :-)
Am kommenden Montag ist der 2.te Impftermin - mal schauen ob er da wieder so ruhig und gelassen ist.
Kleine Liebesgeschenke gab es in der vergangenen Zeit auch hin und wieder, letztes Wochenende standen alle drei aufgereiht wie die Orgelpfeifen auf der Matte und hatten eine Maus dabei. Ein Bild fuer die Götter und in der Digicam war der Akku leer :-(
Ansonsten hat "Socke" sich wieterhin fein eingelebt - es ist fast so, als gehörte er schon immer hierher. Mit Lucy & Filou läuft es soweit auch richtig gut. Sicher geht der kleine Zwerg ihnen wohl manchmal auf den Geist, gerade wenn er mal wieder seine 5 Minuten bekommt und alles bespielen will, was nicht bei 3 auf dem Kratzbaum ist. Im Moment ist er sehr aufgedreht und lotet wohl auch seine Grenzen bei den beiden Großen aus. Lucy ergreift zwar, wenn er auf sie losstürmt, noch regelmäßig die Flucht hinters Sofa... aber das läuft nach wie vor ohne Gefauche ab. Manchmal legt es die kleine Diva allerdings auch drauf an. Hopst vor ihm herum und "schnattert" ihn an ... Für "Socke" eine Einladung pur!
Filou ist nach wie vor sehr gelassen, was er allerdings gar nicht mag ist, wenn die "Socke" ihn anmiaut - da wird dann auch mal kurz gefaucht. Seit "Sockes" Einzug ist mein großer Streunerkater sehr häuslich geworden! Vorher war es so, dass ich morgens die Türe aufgemacht habe - Kater rausgeschossen ist - kurze Runde durch den Garten gedreht hat - und dann vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr gesehen ward. Mittlerweile öffne ich die Türe - Kater saust raus - dreht seine Runde durch den Garten - guckt bei den Nachbarn vorbei und steht nach 2 Stunden wieder auf der Matte und schaut nach dem Rechten. So kannte ich Filou bislang noch nicht...
Im Moment fällt mir auch der Unterschied zwischen einer gut sozialisierten Katze und einer Katze, welche früh von der Mama getrennt wurde, auf. "Socke" hat ja bis zu seinem "Umzug" im Katzenrudel mit seiner Mama und seinen Geschwistern gelebt - das dürften dann lt. unserer Tierärztin so gut 5 - 5 1/2 Monate gewesen sein. Lucy und Filou wurden mit 6 bzw. 8 Wochen ausgesetzt ... Die beiden haben, als sie noch klein waren, unheimlich heftig gespielt und kannten keine Grenzen. Manchmal sah ich nach so einem Spiel aus, als hätte ich die Hände in einen Häcksler gehalten. "Socke" spielt zwar katertypisch, merkt dann aber auch schnell wenn es gut ist.
Ulkigerweise ist "Socke" aber auch, obwohl er wohl nie viel Kontakt zum Menschen hatte, ein unheimlich anhänglicher und verschmuster kleiner Kater. Kaum schaut man ihn nur mal an fängt er an zu schnurren wie ein Kernkraftwerk. Egal was Micha und ich machen - der Zwerg ist immer dabei! Ich hab schon mal geschaut ob wir irgendwelche "Socke-Magneten" in den Puschen haben ... der Kleine zwirbelt einem immer um die Füß rum :-)
Über die Fanpost haben wir uns übrigens sehr gefreut :-) Was die Namensfindung für den Zwerg angeht - so haben wir hier oft gesessen und überlegt ... FindUs ... Mio ... Pau ... O´Malley ... Kofi ... und noch viele mehr. Letztendlich hat sich der Strumpf seinen Namen aber selbst ausgesucht :-) Neben meiner Seite vom Bett steht ein Bücherregal. "Socke" fand dieses Regal von Anfang an total spannend und besonders ein Buch hat es ihm richtig angetan. "Der goldene Kompass" von Philip Pullman. Keine Ahnung warum er gerade dieses Buch so liebt. Immer wieder hat "Socke" dieses Buch aus dem Regal geangelt, es abgeschleckt, durch die Gegend gezogen und teilweise drauf geschlafen. Und so kam es, dass aus "Socke" schliesslich Pantalaimon wurde. Jetzt düsen hier also Filou, Lucy und "Pan" ( weil Pantalaimon ja doch ziemlich lang ist ) durch die Gegend :-)
Anbei habe ich noch ein paar Bilder vom kleinen Pan. Es gibt jetzt auch schon welche von Fliou und Pan gemeinsam! Man sieht also - es wird :-) (...)"
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Filou & Pan |
Bequem? |
Yoga für Katzen |
Fotos und Texte © Rebecca
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Wir liiieben Fellnasen-Geschichten mit einem schnurrigen Ende und diese gefällt uns besonders gut!
Rebecca und Michael, ihr seid zwei tolle Bauchkrauler mit Vorbildfunktion. Simply purrrrrfect!


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