Unser Garten
Silberdunst hüllt unsern Garten ein,
Blau liegt die Luft im Abendschein,
Über den Giebeln zerfließt der Rauch,
Durchs offene Fenster weht ein Hauch
Vom zärtlichen Frühlingswinde
Düfte der Hyazinthe,
Zu uns herein.
Oh Beieinandersein,
Vor dem die Stunden,
Wie Kränze zu Kränzen gewunden,
Sich aneinander reihn!
Alfred Pauli, 1925
Chinesische Weisheit
Willst Du einen Tag glücklich sein,
So betrinke Dich mit Wein.
Willst Du ein Jahr glücklich sein,
So baue Dir ein Haus.
Willst Du ein Leben lang glücklich sein,
So gestalte Deinen Garten.
Der Januar
ist weiß Gott kein langweiliger Gartenmonat.
In diesem Monat der Hoffnung und Erwartung werden die Tage wieder länger
und vorwitzige Primeln und Veilchen kündigen das Frühjahr an.
Dicke Knospen zeigen sich zwischen dem bunten Bergenienlaub
und überall sprießen neue Blätter aus dem Boden.
Unter - und oberhalb der Erdoberfläche regt es sich,
und für den Gärtner beginnt ein neues Jahr voller Überraschungen und Abenteuer...
Viele Januarblüten sind so klein, daß man sie im Hochsommer kaum bemerken würde.
Wenn der Garten jedoch kahl ist, wird jede winzige Blüte so bewundert, wie sie es verdient.
Dann ist Zeit genug, in die Blüte zu schauen,
ihre Feinheiten zu studieren und sie einem Kunstwerk gleich zu bestaunen.
Margery Fish
Ich will ein Garten sein
Ich will ein Garten sein, an dessen Brunnen
die vielen Träume neue Blumen brächen,
die einen abgesondert und versonnen,
und die geeint in schweigsamen Gesprächen.
Und wo sie schreiten, über ihren Häuptern
will ich mit Worten wie mit Wipfeln rauschen,
und wo sie ruhen, will ich den Betäubten
mit meinem Schweigen in den Schlummer lauschen
Rainer Maria Rilke
Kirschblüte bei der Nacht
Ich sahe mit betrachtendem Gemüte
Jüngst einen Kirschbaum, welcher blühte,
In kühler Nacht beim Mondenschein;
Ich glaubt', es könne nichts von größrer Weiße sein.
Es schien, ob wär ein Schnee gefallen.
Ein jeder, auch der kleinste Ast
Trug gleichsam eine rechte Last
Von zierlich-weißen runden Ballen.
Es ist kein Schwan so weiß, da nämlich jedes Blatt,
Indem daselbst des Mondes sanftes Licht
Selbst durch die zarten Blätter bricht,
Sogar den Schatten weiß und sonder Schwärze hat.
Unmöglich, dacht ich, kann auf Erden
Was Weißers aufgefunden werden.
Indem ich nun bald hin, bald her
Im Schatten dieses Baumes gehe,
Sah ich von ungefähr
Durch alle Blumen in die Höhe
Und ward noch einen weißern Schein,
Der tausendmal so weiß, der tausendmal so klar,
Fast halb darob erstaunt, gewahr.
Der Blüte Schnee schien schwarz zu sein
Bei diesem weißen Glanz. Es fiel mir ins Gesicht
Von einem hellen Stern ein weißes Licht,
Das mir recht in die Seele strahlte.
Wie sehr ich mich an Gott im Irdischen ergetze,
Dacht ich, hat Er dennoch weit größre Schätze.
Die größte Schönheit dieser Erden
Kann mit der himmlischen doch nicht verglichen werden.
Barthold Hinrich Brockes
Wie die Nelken duftig atmen!
Wie die Nelken duftig atmen!
Wie die Sterne, ein Gewimmel
Goldner Bienen, ängstlich
schimmern
An dem veilchenblauen Himmel!
Aus dem Dunkel der Kastanien
Glänzt das Landhaus, weiß und
lüstern,
Und ich hör die Glastür klirren
Und die liebe Stimme flüstern.
Holdes Zittern, süßes Beben,
Furchtsam zärtliches Umschlingen
Und die jungen Rosen lauschen,
Und die Nachtigallen singen.
Heinrich Heine
Wasserrose
Im waldgeschützten Grunde ein stiller Weiher ruht,
Von Abendsonnenstrahlen glimmt rosigroth die Fluth,
Viel breite glänzende Blätter, die schwimmen auf dem Teich
Und träumend schließt die Krone, die Wasserrose bleich.
Franz von Gaudy
Die stille Wasserrose
Die stille Wasserrose
Steigt aus dem blauen See,
Die feuchten Blätter zittern,
Der Kelch ist weiß wie Schnee.
Da gießt der Mond vom Himmel
All seinen goldnen Schein,
Gießt alle seine Strahlen
In ihren Schooß hinein.
Im Wasser um die Blume
Kreiset ein weißer Schwan;
Er singt so süß, so leise,
Und schaut die Blume an.
Er singt so süß, so leise,
Und will im Singen vergehn -
O Blume, weiße Blume,
Kannst du das Lied verstehn?
Emanuel Geibel
Regenduft
Schreie. Ein Pfau.
Gelb Schwankt das Rohr.
Glimmendes Schweigen von faulem Holz.
Flüstergrün der Mimosen.
Schlummerndes Gold nackter Rosen
Auf braunem Moor.
Weiße Dämmerung rauscht in den Muscheln.
Granit blank, eisengrau.
Matt im Silberflug Kranichheere
Über die Schaumsaat stahlkühler Meere.
Max Dauthendey
Zerblättern die Apfelblüten
Wie kleines feines Papier zerblättern die Apfelblüten,
Schier ein Atemhauch entführt sie Dir,
Kannst sie mit keiner Hand vorsichtig hüten.
Sind wie ein rosiger Hauch, der über Nacht entstand,
Und sie entschweben auch, eh Du's gedacht;
Haben glückliche Augenblicke in die Leere gebracht.
Sind wie Liebessekunden flüchtig entschwunden.
Waren in Gedanken unendlich groß, regnen zur Erde lautlos
Und liegen Dir wie Blättlein Papier unscheinbar im Schooß.
Max Dauthendey
Nachtduftende Orchis
Waren's Blumen mit den wunderbaren
Silberhellen kleinen Flügelpaaren?
Oder waren's fragt ich Blumenengel,
Hingeheftet an die Blütenstengel?
Waren's Blumen die beim Mondenschimmer
Mir mit Duft erfüllt mein kleines Zimmer?
Oder hatten durch die Nacht geklungen
Traumhaft süße Überlieferungen?
Christian Wagner (1835-1918)








