Was mir gefällt
 

Ich mag den frischen Wind,
der in des Sommers Glut
vom Fluss auflandig geht,
wenn er leicht fächelnd weht,
das Land in Sonne ruht,
ein sanftes Katzenkind.

 

Ich mag den Sommerregen,
der folgt auf heiße Tage
und milde Kühlung bringt,
in allen Pflanzen singt,
verscheucht die Trockenplage,
uns Wasser schenkt als Segen.

 

Ich mag der Sonne Licht,
ihr Strahlen auf der Haut,
wenn sanft sie Wärme schenkt,
das Wachsen wohlig lenkt,
die Blüten leuchten traut,
und Frucht von Ernte spricht.

 

Ich mag die Sternennacht,
wenn hoch der volle Mond
durch blaues Dunkel strahlt
und silbern, zart bemalt
die Landschaft, still belohnt
und über allem wacht.

 

Ich mag der Kinder Lachen,
den Klang der Freude, Leben,
das morgens früh schon singt,
so glockenhell erklingt,
ein liebend, schenkend Geben,
fern aller bösen Drachen.

 
 
© Ingrid Herta Drewing


 

 


Sonnenuntergang
 

Jetzt neigt der Tag sich seinem Ende

und feiert Sonnenuntergang,

verschenkt sein Licht in roten Bränden,

zündet den Himmel zärtlich an.

Die Sonne sinkt in tiefer Glut,

durchdringt dies Feuerfirmament

und taucht das Tal in warme Flut,

bis sie der Berge Schatten trennt.

Doch grüßt sie uns noch eine Weile,

hält gütig hoch die Rosenhand,

bis dann die Nacht naht ohne Eile

mit ihrem blauen Sternenband.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 


Mauerblümchen
 

Im Schatten einer Mauer

wuchs zart ein Blümelein.

Es lag dort auf der Lauer

nach hellem Sonnenschein.

Und da zu seinem Glücke

entstand ein großer Riss,

und durch der Mauer Lücke

traf es ein Strahl gewiss.

Das Blümchen wuchs zur Blume

und schoss ganz hoch hinaus.

Das Ende seines Ruhmes:

Man rupft ’s als Unkraut aus.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 


Sonntagmorgen
 

Ein Sonntagmorgen, licht und mild,

und sanft träumt noch die Stadt.

Verlassen grüßt das Straßenbild;

was sonst sich zeigt fast überfüllt,

sich nun vereinsamt hat.

 

Der Blätterteppich auf den Wegen

glänzt feucht im frühen Licht.

Es fegte rein die Luft der Regen,

und Wirbelwind, der nachts zugegen,

fuhr Bäumen ins Gesicht.

 

Ich gehe, sehe hier beglückt

den stillen, jungen Tag.

Mir ist, als schenke er dem Blick,

der ihn erschaut, so froh entzückt,

das Leben, das er mag.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 


Illusion
 

Wer folgte der falschen Fährte,
führte die Hoffenden
in den Morast der Sümpfe?

 

Noch immer
irrlichtert hier
sorglos die Maßlosigkeit,
und das feiste Lachen des Vollmonds
verspricht versilbernd
die Rettung.

 

Doch die Retter,
getarnte Räuber,
lauern.
Idyllisch der Hinterhalt.

 

Am Rande des Waldes
träumende Schafe,
bereit für die Schur.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 


Götterdämmerung
 

Ratlos die Raben.
Wer sprach da von Weisheit?
Verbranntes Leben,
und kein Phönix
steigt auf aus der Asche.

 

Lichtwörter,
in den Wind geschrieben,
gesungen, gerufen.
Begreift doch,
hier endet der Weg!

 

Zwecklos,
sich golden zu gürten,
in Zobel zu hüllen!
Nichts wird helfen,
die blinden Tage
im Dickicht des Waldes
zu überstehen.

 

Und allmählich
rostet die Hoffnung
am Horizont
über der Eiswüste.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 

Hochmut
 

Wir Menschen, die wir schwach und zagend sind
und dennoch glauben, stolz, vermessen,
wir könnten schwebend wie ein Blatt im Wind ,
mit Wissen achtlos spielend wie ein Kind,
die Rätsel dieser Welt ermessen.

 

Der Schöpfung wundervolle Fülle
zerstören wir und greifen planend ein,
gentechnisch, heimlich in der Stille,
gewahrt wird Ethik nur als Hülle.
Der Mensch als Macher regelt das Design.

 

Wie schnell verliern wir aus den Augen
den Blick, der offen, der uns Demut lehrt,
dass wir hienieden nur dann taugen,
wenn wir die Milch der Liebe saugen,
und nicht der Hochmut trotzig in uns gärt.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 

Grenzen des Wachstums
 

Es treibt ein Todesteppich auf dem Meere,
zäh, klebrig , braun im Golf von Mexiko,
ein Unfall zwar und dennoch eine Lehre:
Wir schlagen uns allmählich selbst KO

Wir wollen Wachstum, sollten uns beschränken;
denn wie wir wachsen, trägt ’s die Erde nicht.
Ressourcenschutz, wir müssen doch bedenken:
Die Art erhalten, heißt zugleich Verzicht.

Nur eine Erde hat für uns das All,
mag auch noch eine sein bei fernen Sternen.
Die Zeit ist da, wir hätten nun zu lernen:
Nachhaltigkeit ist unser Rettungsfall.

Lasst uns dies Paradies des Lebens schützen;
das wird auch unsren Kindeskindern nützen!

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 

Verblendung
 

Wir leben so, als sei die ganze Erde
für uns alleine da, für uns gemacht,
als ob Ressourcen könnten sich vermehren
wie Schafe, zahlreich und in großen Herden.
Wir beuten alles aus, oft unbedacht.

 

Und nichts als Abfall lassen wir zurück,
verklappen Altöl rasch auf hoher See,
den Plastikmüll in Massen, Stück für Stück
im Meer versenkt, Elektrokram gezückt,
und Weltraumschrott umkreist uns in der Höh’.

 

Wir kommen schnell von einem Ort zum andern
und schicken Waren ständig auf die Reise.
Doch während wir so just-in-time salbandern
und sorglos rasend durch Regionen wandern,
zerstören wir das Erdenklima leise.

 

Vernichten so, was währte Jahrmillionen,
der Pflanzen, Tiere, Menschen Lebensraum,
als hätten wir ’ne zweite Welt zum Wohnen
und brauchten diese Erde nicht zu schonen.

 

Wann endet endlich dieses Wahnsinns Traum?

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 

Krone der Schöpfung
 

Die Kröte in dem dunklen Erd-Zuhause,

sie weiß, wie sie sich vor der Sonne schützt.

Der Sommerhitze brütend wildem Grause

entgeht sie so im Kühlen, recht gewitzt.

Doch mancher Mensch lässt sich recht gerne grillen

und legt sich bar an heißen Sonnenstrand;

den Schönheitswahn der Bräune dort zu stillen,

verleugnet er Gefahren, die bekannt.

So wider bessres Wissen falsch zu handeln,

schafft diese Schöpfungskrone jederzeit.

Kein Tier, das mit uns muss auf Erden wandeln,

gebärdet sich so dumm im Hochmutskleid.

Wir, die die Umwelt unentwegt zerstören,

entpuppen uns als Fehler der Natur,

wenn wir nicht endlich auf die Mahner hören,

die Umwelt schonen, finden rechte Spur.

Natur kann ohne uns wohl immer sein;

wir aber sind nur Teil von ihr und klein.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 

Tageslauf
 

Der Tag trägt heut ein graues Kleid,

zeigt mürrisch uns sein Angesicht,

selbst in der frohen Frühlingszeit

mag er sich manchmal wirklich nicht.

 

Die Sonnenbraut hat ihn verlassen,

sie, die ihm kürzlich noch so hold

mit liebem Blick ihr Herz gelassen,

verweigert ihrer Strahlen Gold.

 

Doch Sturmwind hat sich eingefunden,

will mit ihm um die Häuser ziehen,

und Regen mischt sich in die Runde

zum Trost, ein mannhaftes Bemühen.

Dann ist es klar, der Wolken Wuseln

hatte von Sonne ihn getrennt.

Nun, da sie weg sind, darf er schmusen

mit seinem hellen Element

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 

Kindheit
 

Oh, Kind sein, Leben im Bewegen

und Staunen, was die Welt verspricht.

Ein jeder Tag, ein Farbensegen,

es sieht mit wachem Augenlicht.

 

Ja, Kind sein, wenn es wohl geborgen,

den Tag, die Stunde frei verträumt;

noch fern sind der Erwachs’nen Sorgen,

noch keine Pflichten, die versäumt.

 

Vertraut mit Pflanzen und mit Tieren,

ein Garten, hell, die kleine Welt,

erobert erst auf allen Vieren,

dann aufrecht, schauend, was gefällt.

 

Mit viel Geschick etwas erbauen

aus Steinen oder auf Papier,

der eignen Kraft im Spiel vertrauen,

mutig erkundend das Revier.

 

Im Reich der Phantasie obsiegen,

im Märchen und auf hoher See;

Piraten, die auf Meeren fliegen,

Prinzessinnen, so weiß wie Schnee.

 

So schön, so zart, so müsst sie währen,

doch bleibt sie uns nur kurz, die Zeit,

in der wir reinen Sinnes ehren,

was uns die Schöpfung hält bereit.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 

Kondensstreifen
 

Sie zeichnen ihre weißen Streifen

schnell in des Himmels helles Blau,

als wollten sie Besitz ergreifen

von diesem Raum, klar und genau.

 

Doch so wie Menschenwerk auf Erden

nur für gewisse Zeit besteht,

verblasst dies Zeichen schon im Werden,

bevor es ganz im Blau vergeht.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 

Optische Täuschung
 
Eschers Bilder
 

Und deine Bilder,
die des Auges Blicke streifen,
es gaukelnd leiten zu verwirrter Sicht,
verzaubern,
lassen uns in Räume schweifen,
die wir erschauen, aber fassen nicht.

 

Denn immer, wenn wir meinen, recht zu sehen,
erkennen wir, uns blendet nur der Schein,
und alles wissende Verstehen
entlässt uns fragend nach dem wahren Sein.

 

So ist’s mit vielem, was wir kühn behaupten;
es löst sich auf, ist Schall und Rauch.
Wir bleiben Suchende, selbst wenn wir glaubten
am Ziel zu sein, zu wissen auch.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 

Streichholz-Romanze
 

Ein Streichholzmann mit Namen Hans,
traf Liz, die junge, flotte Schachtel.
Sie war so reibefrisch im Glanz
und schön, auch ohne Make-up-Spachtel.

 

Und Hans, der sah sie mit Verlangen,
wollt’ stets in ihrer Nähe bleiben,
doch schüchtern war er, zu befangen,
sich ihr mit rotem Kopf zu zeigen.

 

Als eines Tages Schicksals Hand
die beiden plötzlich führt’ zusammen,
erglühte Hans im Liebesbrand,
und lodert’ auf für seine Flamme.

 

„Das sei nur eine schwache Lieb’.“,
sagt Liz, die an das Flämmchen denkt.
Dabei hat Hans doch, was ihm blieb,
sich überlassend, ihr geschenkt.

 

So ist das häufig: Trotz Entflammen
bleiben manche nicht zusammen.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 

Schöne Erde
 

Vielfältig, schön ist das Antlitz der Erde,

hell erscheinend im Glanze des Lichts.

Jeder Strahl, der in Farben sich bricht,

enthüllt es mit Zaubergebärde,

dies liebliche Leben und Werden,

das im Dunkel als Hoffnung noch spricht.

 

Vielfältig, schön sind die Klänge der Erde,

leise ertönend, tiefbrausend, laut.

Jedes Lied, das erklingt, zart vertraut,

entkleidet mit Geigergebärde

die Seele der stummen Beschwerde,

Harmonie wird in Liebe erschaut.

 

Vielfältig, schön sind die Düfte der Erde,

herb und würzig, süß, lieblich und mild.

Jede Blüte, sich öffnend, erfüllt,

weithin duftend, die Wiesenmeere,

und die Bäume, Kräuter und Ähren

verströmen sich zärtlich und wild

in der Erde betörendem Bild.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

 

Deutschland
 

Mein Land, das ich als Heimat tief empfinde,

ich liebe deine Vielfalt, die so schön:

die Berge, Hügel, Ebenen und Seen,

die klaren Flüsse, die zum Meere finden

durch Wälder, Felder, die in Blüte steh’n.

 

In deinen Dörfern, Städten, Metropolen

zeigst du Jahrtausend’ alt, doch jung Gesicht.

Aus deinen Häusern, Schlössern, Kirchen spricht

der Zauber der Geschichte, unverhohlen,

sehr oft voll Poesie wie ein Gedicht.

 

Europas Atem ist in dir zu spüren,

hier treffen Nord und Süd, Ost, Westen sich,

und vieler Völker Geist beseelte dich.

Auch heute noch lässt du dich rühren,

schenkst vielen hier der Hoffnung helles Licht.

 

Deine Kultur, sie zeigt dein wahres Leben,

sogar das kleinste Dorf pflegt den Gesang.

In deinen Kirchen braust der Orgel Klang.

Hier wird Bach, Mozart, Beethoven gegeben

und andrer Meister Werke klarer Klang.

 

Deine Museen, Bildergalerien

sie laden ein zu wahrem Augenschmaus,

ob Dürer, Macke, Klee, das Nolde-Haus,

Gemäldekunst, der Farben Harmonien,

gar vielen Künstlern gilt zu Recht Applaus.

 

Vor allem aber will ich loben, preisen

die Sprache, die der Dichtung Quelle ist,

ob Goethe, Schiller, Heine, nie vergisst

du deine Muttersprache, weit auch reisend,

weil sie der Seele Geistesnahrung ist.

 
 
© Ingrid Herta Drewing

 

 

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