Nimm dir Zeit,
den Duft der Rosen zu genießen.
Nimm dir Zeit zum Denken,
es ist die Quelle der Kraft.
Nimm dir Zeit für die Arbeit,
denn dies ist der Preis des Erfolges.
Nimm dir Zeit zum Spielen,
dies ist das Geheimnis der Jugend.
Nimm dir Zeit zum Lesen,
dies ist die Grundlage des Wissens.
Nimm dir Zeit für die Andacht,
das wäscht den irdischen Staub von deinen Augen.
Nimm dir Zeit zum Träumen,
dies ist der Weg zu den Sternen.
Nimm dir Zeit zum Lachen,
das hilft, die Bürden des Lebens zu tragen.
Nimm dir Zeit für die Liebe,
sie ist der wahre Reichtum des Lebens.
Nimm dir Zeit, dich umzuschauen, der Tag ist zu kurz,
um selbstsüchtig zu sein.
Nimm dir Zeit, um mit Freunden zusammenzusein
und ihnen zu helfen, dies ist die Quelle des Glücks.
Zeit ist das begrenzteste Mittel, das du zur Verfügung hast.
Deshalb nimm dir Zeit, den Duft der Rosen zu genießen.
aus Irland
An Leukon
Rosen pflücke, Rosen blühn,
Morgen ist nicht heut!
Keine Stunde laß entfliehn,
Flüchtig ist die Zeit!
Trinke, küsse! Sieh, es ist
Heut Gelegenheit!
Weißt du, wo du morgen bist?
Flüchtig ist die Zeit!
Aufschub einer guten That
Hat schon oft gereut!
Hurtig leben ist mein Rath,
Flüchtig ist die Zeit!
Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Ein Lächeln
Ich schenk Dir ein Lächeln,
so gut ich es kann,
ich wart nicht erst lange,
fang gleich damit an:
Ein Lächeln,
das Dir Deine Sorgen vertreibt,
das ankommt
und Dir in Erinnerung bleibt,
ein Lächeln der Hoffnung,
wenn mutlos Du bist,
das Dich, bist Du traurig,
wie ein Sonnenschein küßt.
Nimms hoffnungsfroh auf,
gib es freudig zurück,
es kostet Dich nichts
und schenkt Freude und Glück.
Josef Huber
Schlüssel des Lebens
Das Leben gleicht einem Strand,
an den der Ozean des Schicksals
unermüdlich neue Dinge
an deine Seele spült.
Es können neue Menschen sein,
denen du begegnest,
Worte und Weisheiten,
Erlebnisse,
Gedanken.
Wie Muscheln liegen sie
an deinem Strand.
Warten darauf
von dir gefunden zu werden.
Manche bleiben dort lange liegen,
andere werden von der nächsten Flut
zurückgezogen ins Meer,
waren nur kurze Besucher.
Nur wer sie aufsammelt
und ihre Schönheit,
ihre Wahrheit und Struktur
im hellen Licht betrachtet,
dem erzählen sie
ihrer Geschichte
von der Reise
durch das tiefe Meer.
Du musst sie nicht besitzen,
das gleicht einem
hoffnungslosen Kampf
gegen die Urgewalt des Meeres -
trage ihre Geschichten nur
tief in deinem Herzen.
Sie können der Schlüssel sein
für die Geheimnisse des Lebens,
für die Schatzkisten
an deinem Strand,
oder sind es selbst.
Habe also keine Angst
vor einer rauen,
stürmischen,
und bewegten See.
Sie wird dir mehr Muscheln
an den Strand spülen,
als ein ewig flaches Meer
bei Sonnenschein.
Genieße die sonnigen Stunden
bei Ebbe
und sei tapfer bei Sturm
und hohen Wellen.
Das Bild des Sandes
an deinem Strand
ist vergänglich
und jeden Tag neu.
Gezeichnet von den Menschen
und bereinigt von der Flut.
Besuche auch andere Strände,
an denen der Wind das Meer
aus einer anderen Richtung
an das Ufer treibt.
Vertraue auf dein Gefühl
welche Muschel dir gefällt.
Aber nimm dir auf jeden Fall die Zeit,
die Muscheln zu betrachten.
Halte sie in die Sonne
und schenk ihrem Rauschen dein Ohr.
Hanns Kronenberg
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Einfache Regeln
Wenn man sich eingelebt hat,
wird es Zeit aufzubrechen.
Wenn man das Gewohnte tut,
wird es Zeit sich zu lösen.
Wenn man das Vertraute sieht,
wird es Zeit wach zu werden.
Wenn man das Verordnete hört,
wird es Zeit zu widersprechen.
Hugo Ernst Käufer
Unaufhaltsam
das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige
eben noch ungesprochene
Wort?
Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinen Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf, an-
zukommen.
Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.
Hilde Domin
Welt und ich
Im großen ungeheuren Ozeane
Willst du, der Tropfe, dich in dich verschließen?
So wirst du nie zur Perl zusammenschießen,
Wie dich auch Fluten schütteln und Orkane!
Nein! Öffne deine innersten Organe
Und mische dich im Leiden und Genießen
Mit allen Strömen, die vorüberfließen:
Dann dienst du dir und dienst dem höchsten Plane!
Und fürchte nicht, so in die Welt versunken,
Dich selbst und dein Ureignes zu verlieren:
Der Weg zu dir führt eben durch das Ganze!
Erst wenn du kühn von jedem Wein getrunken,
Wirst du die Kraft im tiefsten Innern spüren,
Die jedem Sturm zu stehen vermag im Tanze!
Friedrich Hebbel
Ein hohes Gut
Ein hohes Gut ist Toleranz
beseelt durch menschlichen Verstand
doch scheinbar mangelt es an diesem
wenn ein Baum nicht steht auf Wiesen
Bei der Planung schon versagt
wird dem Baum ganz unbedarft
engster Raum nur zugewiesen
ja, wie soll er denn da sprießen?
Hält's mal einer länger aus
und schafft es auch noch hoch hinaus
so wird er schnell zu einer Plage
für's Auto, Haus und die Garage
Drum Menschenkind besinne Dich
wie tolerant Du wirklich bist
magst nicht ertragen Baumes 'Schmutz'
willst atmen aber klare Luft
Dein Wagen wird sie Dir nicht bringen
und auch dem Haus dies nicht gelingen
Doch vor der Tür da steht er ja
der Lebensspender ist so nah
Dilemma hin, Zwickmühle her
der Baum soll weg, er stört zu sehr
lieber keine klare Luft
es gibt doch Bäume noch genug
Muss es grade dieser sein?
Das sieht halt nicht gern jeder ein
ein Stückchen weiter wär's doch recht
der Egoismus der erschreckt
Die Kurzsicht sei hier unterstellt
denn wenn sich jeder so verhält
dann braucht's bald keinen Weitblick mehr
und saubre Häuser stehen leer
Thomas Langner
Ich genüge
Manchmal,
wenn ich ans Meer trete,
weiß ich nicht, was ich will.
Das, was nicht ist,
und das, was sein könnte,
überwältigt mich.
Ich versuche meine Aufgabe im Leben zu erspüren,
diese stille Formel,
nach der sich alles erschließt.
Es gibt so viel zu tun.
Bis ich merke, dass es nicht darum geht,
was ich will,
sondern dass ich erlaube,
auf eine geheimnisvolle Art
gewollt zu sein.
Ich muss nichts tun, ich genüge.
Mit meinen Augen folge ich einer Welle,
atme aus und spüre
wie mein Atem um die Welt geht.
Ulrich Schaffer
In einem Kiesel
Was wir nicht
in einem Kiesel,
im blauen Himmel,
in einer einzigen segelnden Wolke,
in einem Grashalm,
in der Abenddämmerung,
oder im Morgengrauen
finden,
werden wir auch nicht
in Reichtum, Ansehen und Ehrungen finden
Ulrich Schaffer
Beobachte still
Beobachte still,
was sich in dir formt,
und begreife,
dass es nichts anderes ist,
als die Gestalt
deiner Seele,
die nach außen drängt
in ihr Leben -
in deine Vervollkommnung,
unaufhörlich.
Urich Schaffer
Mehr auf: www.ulrich-schaffer.com
Die Worte
Mein Mund, wo gingen Deine Worte hin?
Wie Stunden täglich neue Herren dingen,
Wie Vögel stets vor andern Türen singen,
Und wie der Winter mit den Schneegespenstern,
Festfrierend und hinschmelzend an den Fenstern,
Sind alle Worte warm und kalt im Sinn.
Die Worte sind ein Bild dem Raum gegeben,
Dem Raum, der ohne Dach und ohne Pforte.
Wohl kann ein Wort die Lippen überleben,
Doch bricht auch Tod die Worte wie die Rippen.
Die Worte sind wie Wolken, die nicht rasten,
Dem Windvolk gleich, zu Haus an keinem Orte.
Von Mund zu Mund müssen die Worte hasten,
Von Sinn zu Sinn, von Stund zu Stund,
Und wachsen an wie Kapital im Kasten.
Lassen von jedem Ohr sich anders fassen,
Und passen wie der Schlüsselbart ins Schloß.
Sie können wie die Farb' am Licht verblassen,
Und aufersteh'n kanns Wort, das längst schon starb.
Und manche blühen eine Nacht nur groß,
Wie Tropenblumen sich im Glashaus hüten,
Und sterben in der offnen Luft der Gassen.
Und manche sitzen grau alleingelassen,
Die leben nicht zur Schau und leben ungebeten,
Sie sind sich Last und können Dich zertreten.
O Wort, forteilend und ungreifbar Wesen,
Schlaf ich, Du wanderst draußen ohne Rast,
Schlägst Dich an Stirnen an, als starre Thesen,
Machst oft als Henker Dich ans Herz heran;
Manch Wort sitzt wie der rote Hahn am Dach
Und manches legt Dich wie ein Acker brach.
Manch eines kann Dir Glut und Wut anschüren,
Und manches Wort hat nicht zum Schlafen Mut.
Mit Worten kannst Du Leib an Leib Dich spüren.
Die Menschen sind Dir nicht so feind wie Worte,
Kein Blick verfolgt Dich so an jedem Orte.
Und wärst Du stumm und taub an beiden Ohren,
Du bist als Untertan des Worts geboren.
Mein Mund, wo gingen Deine Worte hin?
Sie wurden Völker, die jetzt mit Dir ziehn.
Wie Bienen einen Bienenkorb bewohnen,
Wie Arbeitsbienen, Königin und Drohnen,
So summen Worte lebenslang uns ein
Und werden wie der Bienensang auch nie verstummen.
Wen ließen je die Worte mal allein?
Max Dauthendey
Als gingen die Schatten einer Welt in Stücke
Wolkenschatten kommen über Morgenwiesen geflogen.
Als wollen sie das Rasengrün wie Teppiche rollen;
Sie haben den Morgen in den Arm genommen
Und sind Dir begeistert entgegengezogen.
Die Wolkenschatten schwimmen hin wie dunkle Schollen,
Als gingen die Schatten einer Welt in Stücke;
Als fliegen zu Dir die Teile einer Himmelsbrücke,
Die zerbrochen liegen, weil Einer darübergegangen
Mit hochfeurigen Wangen und in schwerblütigem Glücke.
Max Dauthendey
Ich wünsche Dir Zeit
Ich wünsche Dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche Dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche Dir Zeit, Dich zu freuen und zu lachen
und wenn Du sie nützt, kannst Du etwas draus machen.
Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,
nicht nur für Dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche Dir Zeit - nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufrieden-sein-können.
Ich wünsche Dir Zeit - nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche sie möge Dir übrigbleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertrauen
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schauen.
Ich wünsche Dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche Dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.
Ich wünsche Dir Zeit, zu Dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche Dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche Dir Zeit: Zeit haben zum Leben.
Elli Michler
Die Ruhigen
Ernst Balcke gewidmet
Ein altes Boot, das in dem stillen Hafen
Am Nachmittag an seiner Kette wiegt.
Die Liebenden, die nach den Küssen schlafen.
Ein Stein, der tief im grünen Brunnen liegt.
Der Pythia Ruhen, das dem Schlummer gleicht
Der hohen Götter nach dem langen Mahl.
Die weiße Kerze, die den Toten bleicht.
Der Wolken Löwenhäupter um ein Tal.
Das Stein gewordene Lächeln eines Blöden.
Verstaubte Krüge, drin noch wohnt der Duft.
Zerbrochne Geigen in dem Kram der Böden.
Vor dem Gewittersturm die träge Luft.
Ein Segel, das vom Horizonte glänzt.
Der Duft der Heiden, der die Bienen führt.
Des Herbstes Gold, das Laub und Stamm bekränzt.
Der Dichter, der des Toren Bosheit spürt.
Georg Heym
Fern der Märchenweisheit
Da mögt ihr rufen
und hoffen,
es werde gehört
dort jenseits
des dunklen Flusses,
wo der Fährmann,
des Ruderns müde,
auf Ablösung wartet.
Märchenweisheiten,
bleiben unbeachtet
wie die Erwartung,
es werde wer sagen,
der Kaiser sei nackt.
Zu viele Angstblinde
huldigen der Eitelkeit.
Wo sind die Kinder
mit unverdorbenem Blick?
Nur, wenn der Wolf
vergisst,
Kreide zu fressen,
merken sie
einmal kurz auf.
© Ingrid Herta Drewing
Leben
Wie Wellen rinnen
in großen Kreisen,
schon im Beginnen
in Fernen weisen,
so auch unser Leben
wächst und sich weitet,
gütig begleitet,
im Nehmen und Geben,
im Hoffen und Streben,
im Können und Üben,
im Sehnen und Lieben,
zum Ufer gesendet,
ausklingend
endet.
© Ingrid Herta Drewing
Die Amseln und der Kater
Im Nest, dort in dem Apfelbaum,
da hegen Amseln ihre Jungen.
Sie rasten und sie ruhen kaum,
dem Fiepsen folgend,nun gezwungen.
Dem Kater ist dies nicht entgangen,
es lockt ihn an dies Vogelnest.
Sich eins der Amselchen zu fangen,
das wäre ihm ein wahres Fest.
So schleicht er heimlich in der Nähe
und lauert auf der kleinen Brut,
um dann, wenn niemand ihn so sähe,
zu kühlen sich sein Mütchen gut.
Jedoch die Amseleltern, helle,
entdecken ihn dort unterm Strauch,
sind zeternd nun sogleich zur Stelle
und lautstark zeigen sie’s ihm auch.
Wild flatternd, lauthals schimpfend, wüten
sie fast schon eine Stunde dort.
Und es gelingt ihr Kinderhüten,
entnervt trollt sich der Kater fort.
Dies zeigt, wenn Schwache standhaft bleiben,
gemeinsam sie den Feind vertreiben.
© Ingrid Herta Drewing
Spatzenlied
Es sucht Frau Spatz den schönen Platz
zum Nisten und zum Brüten.
Doch Kisten hier und Tüten
sind kein Ersatz, drum geht die Hatz
dorthin, wo Bäume blühten.
Im letzten Frühling, Anfang März,
traf sie Herrn Spatz, es flog ihr Herz
ihm zu, und sie sich mühten
bald um die liebe Kinderschar.
So ist das Paar jetzt wieder da,
und sie sich nicht verfrühten
Die Nachbarn sind schon etabliert.
und mancher schwelgt, hat Zaster,
ein Swimmingpool; ganz arriviert,
thront protzend auf dem Ast er.
Die Spätzin, neidvoll angetan,
möcht’ wie der Nachbar leben
und ab und zu ’ne kleine Bahn
so übers Pool hin schweben.
Spatz sagt zu ihr:“ Sieh diese Dose,
die reicht uns doch zum Bade!“
„ Dir fehlt ein Knopf an deiner Hose!
Ich bin doch keine Made.
Bevor ich in die Brühe hüpfe,
ich in das Nest zu Meisi schlüpfe!“
Und da Herr Spatz so knapp bei Kasse,
hat sie ihn dann links fliegen lassen.
© Ingrid Herta Drewing
Fremde Schuhe
In fremden Schuhen viel zu lang gelaufen,
gefolgt dem, der voran dir schritt;
den Kopf verwirrt, Gedanken sorglos kaufend,
schwammst du in jeder Welle mit.
Besinne dich auf deine eignen Gaben!
Es gibt den Weg, der zu dir passt.
Vergiss, was andre dir befohlen haben,
sie sind auf Erden auch nur Gast.
Geschenkt ist dir dies eine, ja dein Leben,
und frei bist du, ein Kind in Gottes Hand.
Sein Segen liegt auf deinem guten Streben,
drum wag es, nimm dein Leben in die Hand!
© Ingrid Herta Drewing
Ermunterung
H eute, sagt die Hoffnung, wird es gut.
O hne Zweifel, glaube mir, vertraue!
F reu dich deines Lebens, fasse Mut!
F olge aufrecht deinem Weg und schaue!
N eues wartet hier auf dich, nimm es doch wahr!
U nd verschließ nicht ängstlich deine Augen!
N ur mit Zuversicht wirst du es stets Gewahr.
G laub’ an dich, dann wird dein Werk was taugen !
© Ingrid Herta Drewing
Hoffnungstage
Und Tage gibt es, da wachsen dir Flügel,
die Freude trägt dich auf Schwingen ins Licht.
Vergessen ist jeder Schreckensbericht,
verlässt dunkle Felder und Sorgenhügel.
Du hörst frohe Lieder, von Hoffnung erfüllt,
dass auch auf Erden der Friede einkehre,
ein jeder den andern, die Schöpfung ehre,
und allen werde der Hunger gestillt.
Du glaubst, dass Menschen die Zukunft gestalten,
dass Einsicht zu Vorsicht und Rücksicht dann führt,
das Leiden des einen den anderen rührt.
Und sich kein Mensch mehr im Hassen verliert,
weil er nun empathisch fühlt und auch spürt,
wie Menschen, sich menschlich, liebend verhalten.
© Ingrid Herta Drewing
Wolkengleich
So flüchtig wie die Wolke ist das Leben.
Noch eben schwebend hoch in Himmels Blau,
türmt sie sich auf, Gewitter wird es geben,
was vordem weiß, verschwindet ganz im Grau.
Sich dann im Hagel, Regen zu verschwenden,
bis wieder Sonne hell am Himmel bleckt,
und in den Wassern sich zur Erde wendend,
vielleicht im Regenbogen noch entdeckt.
So wandelt alles sich in stetem Werden
und Enden, hier im Kreislauf der Natur.
Auch wir sind doch nur Gäste hier auf Erden
und hinterlassen unsre kleine Spur.
© Ingrid Herta Drewing
Blick aus dem Fenster
Ein kühler Tag, auf dessen blauer Bühne
der Wind verwegen mit dem Rauche spielt,
der zart gekräuselt steigt aus den Kaminen
und weiß in Tanzfiguren Sonne fühlt.
Sie steigen, neigen, wirbeln sich im Kreise
und schrauben hoch und höher Pirouetten,
um bald darauf in wundersamer Weise
sich leicht zu lösen von der Wirkungsstätte.
Verlieren sanft sich in des Himmels Höhe,
ein Wölkchen schwebt noch hell im Mittagslicht,
das schließlich auch entwächst des Blickes Spähen,
wenn Wind es trägt aus der begrenzten Sicht.
Was immer auch verlässt der Bühne Ort,
es wirkt gewiss an andrer Stelle fort.
© Ingrid Herta Drewing
Einschätzung
Der Körper sagt: Du bist schon alt.
Die Seele fragt: Wer will das wissen?
Sie fühlt sich jung und sucht beflissen
des Lebens helle Schön-Gestalt.
Sie lebt und lacht, genießt die Freude
und übersieht gern die Gebrechen
des Körpers, der muss lauter sprechen
und weiß das schmerzhaft anzudeuten.
Sieh es doch ein, musst dich beschränken,
du reißt nicht mehr die Bäume aus!
Ganz nebenbei hab’ ich Bedenken,
so stark warst du noch nie, du Maus!
Freu dich an dem, was dir geblieben,
das ist doch reichlich, kost’ es aus!
Es lässt sich vieles innig lieben
in diesem schönen Erdenhaus.
© Ingrid Herta Drewing
Gegenbewegung
Ein regenmüder Tag empfängt
mich morgens schon in Dämmerdaunen.
Ich fühle mich vom Grau bedrängt,
in die Tristesse hineingezwängt.
Jedoch, ich trotze dieser Laune.
Und bringe Farbe in mein Leben,
lass’ mich so nicht bezwingen
vom Wetter und von Nebelweben,
die tagelang den Ton angeben.
Ich werde selbst nun singen.
Erbaue bunte Paradiese
aus leuchtend hellen Klängen,
verlasse neblige Verliese,
indem ich Schönes, Kunst genieße.
Die Seele liebt Gesänge.
Da mögen draußen Stürme toben,
solang’ mein Geist ist mir verbürgt,
trägt mich die Phantasie nach oben.
Musik, Wort, Bild mir dann geloben
das Licht , das auch im Dunkel wirkt.
© Ingrid Herta Drewing
Der Liebe Augen
Ja, es hat die Liebe große Augen,
blickt so offen, schön in diese Welt,
lässt ein Staubkorn noch zu Gutem taugen,
sieht das Dunkel, wie es sich erhellt.
Liebe ist der Hoffnung heiße Quelle,
sprudelt leicht, lebendig in den Tag,
hilft uns gütig über manche Schwelle,
schenkt die Freude, mildert uns die Plag.
Liebe lässt sogar den Tod vergessen,
überdauert auch die schlimmste Zeit.
Nur in ihrem Reich kann man ermessen,
welches Glück dies Leben hält bereit.
© Ingrid Herta Drewing
Mittagsruhe
Mittag ist, die Katze ruht
sanft auf der Balustrade;
nach ihrer Promenade
tut ihr nun ein Schläfchen gut.
Von der Katze kann man lernen:
die Ruhepausen nutzen,
nicht unentwegt nur putzen,
sich dezent vom Stress entfernen.
In Ruhe atmen und den Traum
Erwirken und erleben,
sich Zeit für alles geben
in unsrem schönen Erdenraum.
© Ingrid Herta Drewing
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und in den Unterkategorien von Schatzperlen
Schau gut auf diesen Tag
Schau gut auf diesen Tag
denn er allein ist das Leben
in seinem kurzen Lauf
liegt die Essenz deines Seins
Das Wunder des Wachsens
die Befriedigung des Gelingens
der Glanz der Schönheit
Gestern ist nur ein Traum
morgen ist nur eine Vision
doch das Heute - gut gelebt -
macht aus jedem Gestern einen glücklichen Traum
jedem Morgen eine Vision der Hoffnung
Unbekannt, 50 vor unserer Zeitrechnung
In der Londoner U-Bahnstation Tufnell Park veröffentlicht ein Angestellter jeden Morgen ein Gedicht in seiner "Poetry Corner".
Das Original (mit Foto - sehenswert!) wurde ins Netz gestellt von Ilse "threefivesix.blogspot.com" - Übersetzung Luisa Francia.





