Mücke

Mückes Mutter war eine Katzen-Träumerin gewesen. Sie hatte den Schmetterlingen zugeschaut und im Anemonenbeet geschnurrt. Eines Tages war sie auf der Straße spazierengegangen. Da hatte ein Auto sie totgefahren. Mücke glich ihrer Mutter. Sie schaute auch den Schmetterlingen zu. Und sie schnurrte im Rosenbeet. Aber mit Mücke war es noch schlimmer. "Sie ist zu nichts zu gebrauchen", sagten die Leute, bei denen Mücke lebte. Dagegen lobten sie Mückes Bruder sehr. Mücke spürte, daß man sie nicht mochte. Sie wurde traurig.

Enes Tages ging eine fremde Frau vorüber. Sie erblickte Mücke im Schatten eines Mandelbäumchens und erkannte ihre Einsamkeit. Kurz entschlossen klingelte sie.

"Die Mücke?" sagten die Leute. "Ja, die können Sie schon mitnehmen."

"Ich habe einen kleinen Garten ", sagte die Frau. "Es wird ihr gut gehen bei mir."

"Tja", sagten die Leute, "wir möchten es ihnen lieber gleich sagen: Es stimmt was nicht mit unserer Mücke."

"Wollen Sie damit andeuten, daß sie verrückt ist?" fragte die Frau. Sie hielt die Mücke schon auf dem Arm, als sie das fragte."

So ähnlich", sagten die Leute. "Sie fürchtet sich nämlich vor Mäusen."

"Das kann ich gut verstehen", sagte die fremde Frau.

"Ich fürchte mich auch vor Mäusen."

Und damit nahm sie Mücke mit sich heim. Sie verstanden sich gut, und schon nach einer Woche hatte Mücke ihre Traurigkeit verloren. Sie spielte und schnurrte, oder sie saß mit untergeschlagenen Vorderpfoten im Garten, ganz versunken im Anblick eines Gänseblümchens.

Eines Abends aber war plötzlich eine Maus im Zimmer. Da schrie die Frau laut auf und sprang auf den Tisch. Und Mücke kletterte wie wild an ihr hoch und krallte sich in ihre Schulter. Die Maus machte Männchen, dann huschte sie zur Tür hinaus. "Meine kleine Mücke", sagte die Frau. Und Mücke drückte das Schnäuzchen in ihre Hand. Sie waren sehr glücklich, denn sie hatten miteinander ein Abenteuer bestanden.

 

Verfasserin: Gina Ruck-Pauquet

 

 

         

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