RagaMuffin

 

 

 

 

 

Die RagaMuffin

 

Sieht man die bezaubernden Vertreter dieser ebenfalls aus den USA stammenden Rasse, könnte man glatt auf die Idee kommen, dass es sich bei der RagaMuffin um "die kleine bunte Schwester" der Ragdoll handeln könne. Besonders im Hinblick darauf, dass manche Varianten einander - zumindest auf Bildern - zum Verwechseln ähnlich sehen, aber auch darauf, dass beide Rassen in ihren Ursprüngen auf die Zuchtversuche von Ann Baker zurückzuführen sind.

 

Besteht also ein verwandschaftliches Verhältnis zwischen diesen beiden? Vielleicht trägt das Interview, welches Jenny Dean von "Floppycats.com" 2013 mit Curt Gehm geführt hat, zur Klärung bei? Curt Gehm war einer der Begründer der Rasse RagaMuffin und arbeitete zuvor als Schriftführer für Ann Baker in der IRCA¹. Er beantwortete die Frage nach den Unterschieden zwischen Ragdoll und RagaMuffin u. a. wie folgt: "[...] Der Hauptunterschied ist, dass sie vollkommen unterschiedlichen Genpools entstammen [...]".

¹ IRCA = International Ragdoll Cat Association, gegründet von Ann Baker

 

Rätsel gelöst? Ach, wenn es denn so einfach wäre!

 

Andere RagaMuffin-Züchter sehen diese Angelegenheit nämlich ganz anders und so wie Ann Bakers Denken und ihre Vorgehensweisen im Laufe ihres Lebens von vielen Ragdoll-Züchtern eher skeptisch betrachtet wurden, war oder wurde auch Curt Gehm anscheinend zu einer Person, die polarisierte und durchaus heftigen Widerspruch heraufbeschwor. Allein seine Aussagen im o. g. Interview zur mentalen Verfassung Ann Bakers lassen ihn unserer Ansicht nach nicht im besten Licht erscheinen und hinterlassen außerdem einen schalen Beigeschmack, da Frau Baker dazu nie Stellung beziehen konnte. Sie verstarb 1997. Aber das nur am Rande, denn Ende 2014 ist auch Herr Gehm verstorben und es liegt nicht in unserem Ansinnen zu richten, sondern zu berichten und ggf. aufzuklären, sofern uns dies möglich ist.

 

Kommen wir noch einmal auf die 2013 aufgestellte Behauptung Curt Gehms über die "vollkommen unterschiedlichen Genpools" von Ragdolls und RagaMuffins zurück. Wenn dies eine unumstößliche Tatsache ist, wieso schrieb er dann 1998 "[...] Unsere RagaMuffins stammen von Anfang an aus den ursprünglichen IRCA-Ragdoll-Linien, die in den 1960ern außerhalb der Catfancy gezüchtet wurden [...]"? Quelle: GemSdolls Ragdolls.

 

Auf den meisten RagaMuffin-Seiten, die wir besucht haben, ist die Geschichte von Josephine ("Stammmutter der Ragdolls"²) hinterlegt und dort wird sie ganz selbstverständlich als "Ahnmutter sämtlicher RagaMuffins" gesehen.

² Ohne allzu weit abschweifen zu wollen, möchten wir zum Stichwort "alles führt auf Josephine zurück" auf einen interessanten Artikel verweisen, den wir auf der Seite von Christoph Oswald (Cattery du Masque bleu) entdeckt haben.

 

Wie so oft im Leben liegt auch hier die Wahrheit wohl im Auge des Betrachters oder um es mit den Worten von Anaïs Nin noch besser zu sagen: "Wir sehen die Dingen nicht, wie sie sind, wir sehen sie, wie wir sind."

 

Fakt ist, dass Ann Baker mit einer Handvoll nicht näher definierter Katzen und einem birmaähnlichem Kater ihre Linienzucht begann. Erwiesen ist auch, dass sie ihre gezüchteten Rassen nirgendwo registrieren lassen konnte, was zur Gründung der IRCA führte.

 

Sollte stimmen, was Curt Gehm 1998 niederschrieb, dann sollte die Ragdoll nach Ann Baker in erster Linie eine ideale Begleiterin für ihren Menschen sein. Gesundheit, Persönlichkeit und Temperament waren ihr wichtiger als Farben oder Zeichnungsvarianten. Es ist anzunehmen, dass erst die von den Züchtern Georgann und Dave Chambers (Ragnarok Ragdolls) und Laura und Denny Dayton (Blossom-Time) 1975 (?) herbeigeführte Trennung von Ann Baker die Ragdoll zu der Katze werden ließ, wie wir sie heute kennen. Sie entwickelte sich im Laufe der Jahre vom Straßenkind unbekannter Herkunft zu einer edlen Pointkatze, in den Zeichnungsvarianten bicolour, mitted und colourpoint (jeweils mit/ohne lynx), in den Farben seal, chocolate, blue, lilac, red und creme. Außerdem wurden dreifarbige Katzen (tortie und torbie) anerkannt. Rot und Creme sowie das Streifenmuster wurden erst spät in die Rasse hineingezüchtet und gelten auch heute noch bei vielen als nicht authentisch.

 

 

 

 

Unser erster seal bicolour Kater HAIDITs Amani im Kreis seiner Familie in der Kittenstube bei seiner Züchterin B. Reißmann.

Vater: Dollheaven Leo, (RAG) seal bicolour / Mutter: Tajeschidolls Gretel of Fulltrui, (RAG) chocolate tortie point.

 

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Ein Blick in Amanis Ahnenreihe (Stammbaum › PDF) und die Datenbank von PawPeds belegt am Beispiel eines seiner Ururgroßväter mütterlicherseits, es handelt sich um Mourningdove Robert Redford, sowie dessen Urahnin Shady Silver Cloud of Tuftytoes, dass die Farbe Rot von Anfang an "mitgemischt" hat.

Deuten wir die Farbbezeichnungen der Generationen F2 - F5 richtig, dann handelt es sich bei den Foundationtieren (F1) aus der o. g. Ahnenlinie sicherlich um Perserkatzen oder Persermischlinge, die von Ann Baker ausgesucht wurden, um die Ragdoll zu formen. Zumindest lassen die typischen Farbbezeichungen für Perser und die Tasache, dass die früheren Perser eher Angorakatzen glichen und so gar nichts mit dem heutigen Zuchttyp gemein hatten, diesen Rückschluss zu. Die folgenden Farben und Zeichnungen wurden lt. unseren Papieren eingekreuzt:

 

RAG s 21
silver/smoke, unspecified tabby pattern
Raggedy Ann Kilo
RAG ds 21
red silver/smoke, unspecified tabby pattern
Raggedy Ann Kilo II
RAG s 22
silver/smoke, blotched tabby
Raggedy Ann Adam II
RAG gs 21
blue tortie silver/smoke, unspecified tabby pattern
Shady Silver Cloud of Tuftytoes

 

Ob das kleine 's' nach der Rassebezeichnung für 'silver' oder 'smoke' steht, können wir natürlich nicht mit letzter Bestimmtheit sagen, denn die alten Farbcodes waren häufig fehlerhaft und nicht standardisiert. Erst 1993 wurde mit der Einführung des Easy Mind System (EMS) ein einheitlicher internationaler Farbcode durch die FIFe kreiert. So ist also beides möglich, wobei anzumerken ist, dass die Variante silver shaded (in black und blue) erst 1976 von der FIFe anerkannt wurde. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass dieser Farbschlag Anfang der 1960er Jahre die Ragdollzucht beeinflusst haben könnte. Naheliegend ist jedoch, dass Rauchperser (black smoke) eingesetzt wurden, da es diese schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts gibt. Umgekehrt zu den silver shaded Persern ist bei ihnen jedes einzelne Haar bis zu 2/3 seiner Länge farbig, während die Basis stets silbrig weiß bleibt. Diese Besonderheit ist züchterisch gewollt und trifft natürlich auf alle xx-smoke zu.

Anna hatte einmal einen black smoke und einen schwarzen Perser (beide mit Nase!) und diese sahen nicht nur gut aus, sondern waren in ihrer gesamten Persönlichkeit einfach hin - rei - ßend. Interessanterweise ähnelten sie in charakterlicher Hinsicht in vielem unseren Ragdolls. Es würde uns also kein bisschen wundern, wenn Frau Baker diese schönen und sehr liebevollen Katzen tatsächlich eingesetzt hätte, um ihr Zuchtziel zu erreichen. Zumal sie zuvor ja auch schon als Perserzüchterin aktiv gewesen ist und sich daher sicher gut in der Farbenzucht auskannte!

Hervorragende Kenntnisse in der Genetik sind eben unabdingbar, möchte man eine neue Rasse züchten. Perserzüchter wie wir sie in früheren Zeiten kannten, waren auf diesem Gebiet allesamt Koryphäen. Ein heutiges gutes Beispiel dafür ist Simone Mader (Silverdance), die sich auf die Zucht von smoke und solid spezialisiert hat. Besuchen Sie doch mal ihre Seite! Wir haben ihre Cattery zwar schon in der Rubrik "Besonders schöne Webseiten" verlinkt und vielleicht haben Sie sie von dort auch schon besucht, doch wie heißt es so schön: "Doppelt genäht, hält besser!"

 

 

 

 

Die Züchtergruppe³, die 1994 aus dem Einflussbereich Ann Bakers ausscheren wollte, war von der Vielfalt der Farben und Zeichnungsvarianten ihrer Lieblinge mehr als angetan, durfte sie jedoch nicht unter dem Namen Ragdoll vermarkten. Diesen hatte sich Ann Baker zwischenzeitlich patentieren4 lassen. Es musste also ein neuer Name her und dessen Findung wurde Curt Gehm zugeschrieben. Während die Ragdoll, kuscheligweich und anschmiegsam, sich im besten Fall wie eine Stoffpuppe (rag doll) verhielt und sich außerdem vollkommen schlaff hängen ließ, wenn sie hochgenommen wurde, sollte RagaMuffin die Abstammung von reizenden kleinen Katzenrangen aus Riverside hervorheben. Das 'M' in Muffin ist kapitalisiert, weil sie in den Augen ihrer Züchter allesamt große und zum Knutschen liebenswerte Muffins sind.

³ Dazu gehörten u. a. die Züchter Janet Klarman, Curt Gehm und Kim Clark.

4 So erklärt sich, warum die bei der IRCA im Rahmen eines Franchisesystems registrierten Züchter Lizenzgebühren für jedes Ragdollkitten an sie (Ann Baker) abführen mussten.

 

Es mag nicht jedem Züchter gefallen, doch wir können uns sehr gut vorstellen, dass Ragdolls und RagaMuffins gemeinsame Wurzeln haben, jedoch im Laufe der Jahrzehnte unterschiedliche Wege einschlugen, weil Menschen es so wollten.

 

Vielleicht war alles aber auch ganz anders!

 

Letztendlich ist das aber gar nicht wichtig. Viel wichtiger nämlich sind die Züchter, die sich mit Leib und Seele "ihrer" Rasse verschrieben haben. Die mit viel Herz, Leidenschaft und Sachverstand (!) typvolle, gesunde und großartige Katzenpersönlichkeiten auf ihren ersten Schritten ins Leben begleiten. Durch diese kleinen Fellschnuten wird das Leben von so vielen auf so vielfältige Art und Weise bereichert und bunt^^ gestaltet, wer will sich da noch um inzwischen beinahe unklärbare Nebensächlichkeiten streiten? Es ist doch genügend Raum für alle da!

 

Sehen sich Ragdoll und RagaMuffin auch manchmal ähnlich, so unterscheiden sie sich doch in vielerlei Hinsicht. Züchter sollten ihren Enthusiasmus in die Richtung lenken, bestehende Standards zu beachten. Sie sind aus gutem Grund geschrieben worden. Neue Farben und Zeichnungen einfließen zu lassen, halten wir für eher kontraproduktiv. Statt fadenscheinig zu behaupten, alle Farben und Zeichnungen könne man auf Josephine & Co zurückführen, was genetisch übrigens unmöglich ist, sollte man den Mut haben und die Geduld aufbringen, eine neue Rasse zu kreieren und über mehrere Generationen hinweg zu festigen. Das wäre allemal ehrlicher, als irgendwelche abstrusen Geschichten zu spinnen.

 

 

 

Ragdolls sind schön, RagaMuffins sind schön - beide sind zudem einfach hinreißend.

Doch eine Ragdoll ist eine Ragdoll und eine RagaMuffin ist eine RagaMuffin!

 

 

 

 

 

RagaMuffin Associated Group - The Parent Club of the RagaMuffin   /   The Governing Council of the Cat Fancy

 

RagaMuffin of First Europe (A)   RagaMuffins von Thüringen (DE)   RagaMuffinMamma's Amatissimi (HU)

 

RagaMuffin - Geliebte Katze   /   RagaMuffin - Animal Planet (Video)