Winter
In jedem Winter
steckt ein zitternder Frühling,
und hinter dem Schleier jeder Nacht
verbirgt sich ein lächelnder Morgen.
Khalil Gibran
An den Winter
Willkommen, lieber Winter,
Willkommen hier zu Land!
Wie reich du bist, mit Perlen
Spielst du, als wär' es Sand!
Den Hof, des Gartens Wege
Hast du damit bestreut;
Sie an der Bäume Zweige
Zu Tausenden gereiht.
Dein Odem, lieber Winter,
Ist kälter, doch gesund;
Den Sturm nur halt' im Zaume,
Sonst macht er es zu bunt!
Elisabeth Kulmann
Auf den eisbedeckten Scheiben
Auf den eisbedeckten Scheiben
fängt im Morgensonnenlichte
Blum und Scholle an zu treiben...
Löst in diamantnen Tränen
ihren Frost und ihre Dichte,
rinnt herab in Perlensträhnen...
Herz, o Herz, nach langem Wähnen
laß auch deines Glücks Geschichte
diamantne Tränen schreiben!
Christian Morgenstern
Noch ist die Zeit der blauen Bäume
Noch ist die Zeit der blauen Bäume,
Sie schauen mit kahlem Geäst
Weit in die funkelnde Ewigkeit
Und halten sich kahl am Himmelsblau fest.
Und nur die Wolken, weiß und breit,
Bauen im blauen Baum ihr Nest.
Die Winde fegten fort verjährten Blätterrest,
Und Dein Auge im Baum weiten Raum hat
Für der verliebten Gedanken luftige Lagerstatt.
Max Dauthendey
Winterlied
Das Feld ist weiß, so blank und rein,
Vergoldet von der Sonne Schein,
Die blaue Luft ist stille;
Hell, wie Kristall
Blinkt überall
Der Fluren Silberhülle.
Der Lichtstrahl spaltet sich im Eis,
Er flimmert blau und rot und weiß,
Und wechselt seine Farbe.
Aus Schnee heraus
Ragt, nackt und kraus,
Des Dorngebüsches Garbe.
Von Reifenduft befiedert sind
Die Zweige rings, die sanfte Wind'
Im Sonnenstrahl bewegen.
Dort stäubt vom Baum
Der Flocken Pflaum
Wie leichter Blütenregen.
Tief sinkt der braune Tannenast
Und drohet, mit des Schnees Last
Den Wandrer zu beschütten;
Vom Frost der Nacht
Gehärtet, kracht
Der Weg, von seinen Tritten.
Das Bächlein schleicht, von Eis geengt;
Voll lautrer blauer Zacken hängt
Das Dach; es stockt die Quelle;
Im Sturze harrt,
Zu Glas erstarrt,
Des Wasserfalles Welle.
Die blaue Meise piepet laut;
Der muntre Sperling pickt vertraut
Die Körner vor der Scheune.
Der Zeisig hüpft
Vergnügt und schlüpft
Durch blätterlose Haine.
Wohlan! auf festgediegner Bahn,
Klimm ich den Hügel schnell hinan,
Und blicke froh ins Weite;
Und preise den,
Der rings so schön
Die Silberflocken streute.
Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis
Winterabend
Schnee liegt, die weiße Stille
verbirgt des Lebens Klang.
Es lässt ein ernster Wille
hier schweigen den Gesang.
Der Winter hat nun mächtig
sein kühles Reich erbaut
und prangt, dort herrschend, prächtig
frostklirrend, eisergraut.
Doch warm gehüllt, ich schaue
zum klaren Himmelszelt,
das sternenreich, verblauend ,
schirmt märchenhaft die Welt.
© Ingrid Herta Drewing
Neuschnee
Und wieder griff der Winter in die Truhe,
wo er den kühlen Sternenschatz bewahrt,
verschenkte heimlich heute Nacht in Ruhe
davon der Erde, die nun wirkt aparte.
Ihr hilft das weiche, weiße Sternenkleid
die Frost erstarrten Blößen zu bedecken,
und zarte Frühblüher, die schon bereit,
sie können wärmend sich im Schnee verstecken.
Uns, die wir schon vom Frühlingslächeln träumen,
lässt dieser Schnee jedoch ein wenig kalt.
Was im Dezember ungern wir versäumen,
die weiße Landschaft, wird zur Spukgestalt.
Wir Menschen bleiben selten wirklich offen,
empfangen meist’ nur lieb, was wir erhoffen.
© Ingrid Herta Drewing
Beschaulicher Wintertag
Als habe sie der Nebel hingehaucht,
erscheinen Bäume schemenhaft im Schnee
Dort, wo die Enten unlängst noch getaucht,
da ruht erstarrt, verschlafen nun der See.
Ich drehe hier versonnen meine Runde.
Schnee rieselt sanft und hüllt mich zärtlich ein.
Am Vogelhäuschen zwitschern frohe Kunden.
Ihr Liebreiz lädt mich zum Verweilen ein.
Das sind des Winters Seiten, die ich mag,
wenn alles ist zur Einkehr still bereit;
auch wenn ein blauer Himmel schirmt den Tag,
und Sonne strahlend krönt die Jahreszeit.
Erscheint mir doch jetzt friedlich die Natur
und als Geschenk des Lebens helle Spur.
© Ingrid Herta Drewing
Der lebendige Schneemann
Es stand ein Schneemann in der Nacht
ganz einsam vor dem Haus,
von seinem Schöpfer unbewacht,
der schlief sich gründlich aus.
Da kam ein Trunkenbold vorbei,
der war ihm nicht geheuer,
blieb steh’n vor ihm, verlangte frei,
dass er ihm gebe Feuer.
Als Schneemann kannte er nur Licht,
auch konnte er nichts sagen.
Der Mann, erbost, verstand das nicht,
begann ihn bös’ zu schlagen.
Es fiel sein Hut, die Nasenrübe,
doch blieben Augen und der Kopf.
Der Mond erbarmte sich in Liebe
und half sogleich dem armen Tropf.
Ein Mondstrahl holte ihn ins Leben,
und plötzlich schlug das kalte Wesen
mit viel Elan, er konnt’ ihn heben,
den Wüstling tüchtig mit dem Besen.
Der war nun seinerseits verdutzt,
floh vor dem Schneemannswicht,
da er nun, arg zurechtgestutzt,
auf mehr nicht war erpicht.
Der Schneemann pappt’ die Nase an,
setzt wieder auf den Hut,
und dankte froh dem Mond sodann,
weil dieser ihm war gut.
© Ingrid Herta Drewing
Eisblumen
Der Sonne helles Mittagslicht
dringt durch die matten Fensterscheiben;
auf Eisblumen scheint sie erpicht,
mit ihren Strahlen sie beschreibend.
Jedoch der Frost trotzt ihr und gibt
dem zarten Blütenhauch die Stärke.
Er, der sonst weniger beliebt,
kann glänzen hier mit seinem Werke.
Und zeigt des Winters helle Seite,
in Formenvielfalt schön, kristallen.
Die kleinen Freuden, sie bereiten
uns auch bei Kälte Wohlgefallen.
© Ingrid Herta Drewing
Winter
Im Schnee versteckt die Häuser liegen.
Es glänzt des Winters weiße Pracht.
Wo sonst im Wind sich Weiden wiegen,
herrscht starr des Frostes kalte Macht.
Doch blauer Himmel schirmt die Welt.
Der Wintersonne sanfte Strahlen
ein Schimmern in die Landschaft malen.
Dies’ Bild bezaubert und gefällt.
© Ingrid Herta Drewing
Tiere im Winter
Nun ruht so weiß und still die Welt,
der Himmel Schnee verhangen.
Es liegen Wiesen, Wald und Feld
im Winter fest gefangen.
Das Leben hat sich gut versteckt,
scheint zaghaft nur zu luren.
Doch Hase, Reh ziehn aufgeweckt.
Ich seh’ im Schnee die Spuren.
Sie suchen Futter, das nur karg
Natur für sie hält noch bereit.
Der Frost, er treibt es gar zu arg,
für Tiere eine harte Zeit.
Drum wollen wir sie sorgsam hegen.
Der Futterplatz am Waldesrand
wird reich bestückt. Der Weihnachtssegen
beglücke Mensch und Tier im Land!
© Ingrid Herta Drewing
Wintermorgen am See
Ein blauer, kalter Wintermorgen
erblüht in hellem Sonnenlicht.
Was gestern nebelgrau verborgen,
zeigt strahlend nun sein Angesicht.
Die Bäume, weiße Wachparade,
auch auf den Feldern glitzert Schnee;
und filigran säumt am Gestade
der Gräser Flaus, vereist, den See.
Als habe eine Zauberhand
hier alles kunstvoll, zart verwandelt,
erscheint mir dieses stille Land,
mit dem mein Blick mich sanft verbandelt.
Ein Wintermärchen, das ich fand.
© Ingrid Herta Drewing
Winternacht
Silberkristalle schweben
im Licht der Laterne, der Schnee
fliegt mir glitzernd entgegen,
durch eine Traumnacht ich geh’.
Ein zartes Gesicht, die Straße
die Autos, die Häuser verhüllt.
Es scheint mir, dass sie vergaßen,
was sonst geschäftig sie füllt.
In sanftem, süßen Schweigen
schläft nun verzaubert die Welt.
Nur Schneeflocken tanzen im Reigen.
Ein Bild, das der Himmel bestellt’.
© Ingrid Herta Drewing
Winterabend am See
Von Winters kaltem Atem angehaucht,
liegt nun, in Eis erstarrt, der kleine See,
wo noch im Herbst die Enten froh getaucht,
Köpfchen ins Wasser, Schwänzchen in die Höh’.
Im welken Schilf am Ufer sirrt der Wind,
die Halme glitzern als des Raureifs Saiten.
Die Krähen, die hier in den Erlen sind,
mit ihrem Krächzen die Musik begleiten.
Und goldenrot die Abendsonne schwelt,
der Himmel, der türkis beschirmt den Schnee,
errötet zärtlich, und es schwebt beseelt
ein sanftes Lächeln übern stillen See.
Bis dann die unerbittlich kalte Macht
des Winter herrscht in sternenklarer Nacht.
© Ingrid Herta Drewing
Schneezauber
Vom Himmel rieselt sanft der Schnee,
hüllt weiß und weich die Erde ein.
Der Tannenwald, das Schilf am See
im Sternchenkleid erglänzen fein.
So ruhig und still ist alles hier.
Doch ist ein Zauber zart zugegen,
der flüstert: “Freue dich mit mir,
sieh Winters Schönheit auf den Wegen!“
Der Büsche filigrane Äste,
sie wirken in der Glitzerpracht,
als hätt’ zum nahen Weihnachtsfeste
ein himmlisch Wesen sie gemacht.
Wenn dann die Sonne golden strahlt,
und helles Blau den Schnee begrenzt,
erscheint die Welt mir, wie gemalt,
ein Bild, das friedlich hell erglänzt.
© Ingrid Herta Drewing
Vergessener Winter
Der Winter hat sich hier jetzt eingenistet
und hält uns frostig fest in seinem Bann.
Wir waren überrascht und nicht gerüstet,
als er mit seinem kalten Spiel begann.
Solange war er hier doch nicht zugegen,
wir kannten kaum noch dieses Eisgesicht.
Nun zeigt er’s mächtig uns auf allen Wegen
und nimmt sogar die Ostsee in die Pflicht.
Die stille Starre hält die Seen und Flüsse
gefangen und sperrt uns die Wege ab.
Schneeflocken, sonst ersehnte zarte Küsse,
lehnt man in solchen Massen grantig ab.
Wir mögen nur den Winter, wenn er milde
noch Spielraum lässt für uns in den Gefilden.
© Ingrid Herta Drewing
Eiszeit
Der Winter hat uns nun recht fest im Griff,
zeigt viele Seen und Flüsse zugefroren.
Gar eisig peitscht der Wind uns um die Ohren,
und auch zur Insel rüber fährt kein Schiff.
Es türmen sich hoch auf aus Eis die Schollen,
und Frost sich nistet ein für ein paar Wochen.
Du denkst, nun sei die Eiszeit ausgebrochen,
die wir vielleicht dem Klimawandel zollen.
Dabei ist’s nur der harte Winter wieder,
wie wir ihn früher doch wohl oft gekannt.
Er weckt Erinnerungen, Kindheitslieder,
ein Lächeln hinter kühler Glitzerhand.
Schön sind sie, so im Wechsel, Jahreszeiten,
wenn sie dem Leben einen Weg bereiten.
© Ingrid Herta Drewing
Winternacht
Die schwarzen Flügel ausgebreitet,
birgt sanft nun Nacht die müde Stadt.
Die Häuser, die der Schnee verkleidet,
im Mondlicht ruhen friedlich matt.
Die Welt , in Watte eingehüllt,
könnt’ milder nicht im Bild erscheinen.
Als habe sich ein Wunsch erfüllt,
und alles sei mit sich im Reinen.
© Ingrid Herta Drewing
Winterbild
Der Himmel blau; die Sonne lässt
das Schnee bedeckte Land erstrahlen.
So glänzend weiß, dies Winterfest!
Festhalten möcht’ ich es und malen.
Und tief saug’ ich es in mich ein,
dies Bild der Weite, sanften Stille,
ein Augenblick zum Glücklichsein.
Hier treffen sich Natur und Wille.
© Ingrid Herta Drewing
Winterbild
Der Himmel blau; die Sonne lässt
das Schnee bedeckte Land erstrahlen.
So glänzend weiß, dies Winterfest!
Festhalten möcht’ ich es und malen.
Und tief saug’ ich es in mich ein,
dies Bild der Weite, sanften Stille,
ein Augenblick zum Glücklichsein.
Hier treffen sich Natur und Wille.
© Ingrid Herta Drewing
Winterspaziergang
Gedämpft sind meine Schritte,
sanft rieselnd fällt der Schnee.
Wie eine stumme Bitte
liegt eiserstarrt der See.
Durch einen Vorhang schreite
ich einsam in der Stille,
empfinde diese Weite
beglückt als Teil der Fülle
Des Lebens, das im Träumen
nun sammelt neue Kraft
und bald in Frühlings Räumen
erneuernd sich erschafft.
© Ingrid Herta Drewing
Wintertraum
Das Schneekind naht in weichen Puschen,
bestreut mit Sternchen weiß das Land.
Der Mond reicht seine Strahlenhand
und lässt es leicht vorüber huschen.
Es tanzt im hellen Sternenkleide,
lädt ein in seine Zaubernacht
und hat von Winters kühler Weide
die Flockenherde mitgebracht.
Das wirbelt, stiebt in wildem Tosen,
bis alles hier liegt tief verschneit.
Dann schläft das Schneekind, lässt sich kosen,
träumt in der Stille sanfter Zeit.
© Ingrid Herta Drewing
Schnee
In zarten Flocken schwebt der Schnee
nun auf die Erde nieder,
begrüße froh, wie eh und je,
die weißen Winterlieder.
Wie schön ist’s, wenn die Jahreszeiten
betonen sanft den Unterschied.
Vom Herbst nun in den Winter gleiten,
beschaulich liebt es mein Gemüt.
Unschuldig, rein zeigt sich die Welt
im Sternenkleid aus Schnee,
der, alles nun verzaubernd, fällt
so friedlich aus der Höh’.
© Ingrid Herta Drewing
Winter
Am Berg, im Tal, an Busch und Baum
zeigt nun der Winter seine Spuren.
Alles versinkt in weißem Traum,
es scheint, als schwiegen alle Uhren.
So zeitlos still ruht nun das Land,
sanft hat der Schnee es zugedeckt.
Mir ist, als habe eine Hand
sich, alles segnend, ausgestreckt.
Und wiege nun die Welt in Träumen
in diesem weichen Sternenbett,
bis sie in Frühlings hellen Räumen
ein fröhliches Erwachen hätt’.
© Ingrid Herta Drewing
Winterkatze
Die weiße Winterkatze
schlich heimlich in der Nacht
zu uns auf weichen Pfoten;
und mit ihr, unbeachtet,
nahten auch ihre Boten.
Sie brachten sammetweich
Schneeflockensterne
aus ihrem kühlen Reich
in Nordens Ferne.
Hoch oben auf dem Dache
ruht sie gemächlich auch.
Wenn Feuer ich entfache,
hascht sie am Schornstein Rauch.
Der dort gekräuselt, grau,
leicht in die Lüfte steigt,
bis er im klaren Blau
sich zart auflösend neigt.
© Ingrid Herta Drewing
Sonniger Wintermorgen
Der Nebel hauchte weiße Spitzen
des Raureifs zärtlich ins Geäst
der Winterbäume; strahlend blitzen
sie in der Morgensonne Fest.
Hier hell erglänzt in Unschuldsmiene
im Schneepelz neu ein Erdentag.
Erfreut entfern’ ich die Gardine,
Blauhimmelblick,wie ich es mag.
So soll ein Wintertag beginnen,
lichthell,die Luft so klar und rein.
Ich lad ihn nun mit frohen Sinnen
als Gast heut in mein Leben ein.
© Ingrid Herta Drewing
Bach im Winter
Noch fließend , aber eisverhangen,
fast filigran dein Spitzenkleid;
am Wasserfall jedoch in langen
Eiszapfen starrst du wehrbereit.
Die Gräser, raureifüberzogen,
spielen ins Eis an Ufers Rand,
und Amseln, die herangeflogen,
lockt Wasser in dein Niemandsland.
Doch wenn dich streift der Sonne Blick,
funkelst du glitzernd und kristallen.
Ich steh’, gebannt im Winterglück,
betrachte es mit Wohlgefallen.
© Ingrid Herta Drewing
Spaziergang im Januar
Die Freude an dem klaren Wintermorgen
erfüllt mich, lächelnd geh’ ich meinen Weg,
erschau das Schöne, das noch halb verborgen
sich in der weißen Stille um mich regt.
Am Futterhäuschen stieben flugs die Meisen;
sie wurden hier von lieber Hand bedacht.
die Amsel mischt sich gern in ihre Kreise,
fühlt sich recht heimisch unterm kleinen Dach.
Als Stern blinkt durch den Wald der Sonne Licht
und zaubert in den Schnee ein zartes Glänzen,
verleiht dem Tag dies strahlende Gesicht;
ein blauer Himmel darf das Bild ergänzen.
So lob’ ich mir des Jahres Neubeginn,
schenkt klare Sicht, belebt mir Seel und Sinn.
© Ingrid Herta Drewing
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