Liebesode

Im Arm der Liebe schliefen wir selig ein,

Am offnen Fenster lauschte der Sommerwind,

Und unsrer Atemzüge Frieden

trug er hinaus in die helle Mondnacht. -

Und aus dem Garten tastete zagend sich

ein Rosenduft an unserer Liebe Bett

Und gab uns wundervolle Träume,

Träume des Rausches, so reich an Sehnsucht. 

 

Otto Erich Hartleben

1864-1905

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Gib mir, Liebe

 

Welche Wiesen duften deine Hände?

Fühlst du wie auf deine Widerstände

stärker sich der Duft von draußen stützt.

Drüber stehn die Sterne schon in Bildern.

Gib mir, Liebe, deinen Mund zu mildern;

Ach, dein ganzes Haar ist unbenützt.

Sieh, ich will dich mit dir selbst umgeben

Und die welkende Erwartung heben

Von dem Rande deiner Augenbraun;

Wie mit lauter Liderinnenseiten

will ich dir mit meinen Zärtlichkeiten

alle Stellen schließen, welche schaun.

 

Rainer Maria Rilke

1875-1926

 

** Vertont im Rahmen des Rilke-Projekts mit Ben Becker **

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

An die Liebe

Alle suchen sie dich

und überall lockst du.

Aus tausend Verhüllungen schimmert

dein unenträtselt Gesicht.

Aber wenigen nur

gewährst du Erfüllung,

selige Tage, reines Glück.

Zärtlich wehn dich die Blumen,

die scheuen Gräser,

der Schmetterlinge heiterer Flug;

wilder der Wind

und das ewig sich wandelnde Meer.

Wunderbar strahlst du

aus den Augen des Menschen,

der ein Geliebtes

in seinen Armen hält,

vom tönenden Sternenhimmel überwölbt.

In die zitternde Seele

schweben Schauer

von Leben und Tod.

 

Francisca Stoecklin

1894-1931

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ich und du
x

Wir träumten voneinander
Und sind davon erwacht,
Wir leben um uns zu lieben
Und sinken zurück in die Nacht.
Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich Eines
Im Anderen ganz verlor.
Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen rein und rund,
zerfließen in eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.

 

Friedrich Hebbel

1813-1863

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ich trage dein Herz bei mir

Ich trage dein Herz bei mir. Ich trage es in meinem Herzen.

Nie bin ich ohne es. Wohin ich auch gehe, gehst du meine Teure.
Und was auch nur von mir allein gemacht wird, ist dein Werk, mein Schatz.

Ich fürchte kein Schicksal, weil du mein Schicksal bist, mein Liebling.
Ich will keine Welt, weil du meine Schöne, meine Welt bist, meine Liebste.

Hier ist das tiefste Geheimnis um das keiner weiß. Hier ist die Wurzel der Wurzel.
Und die Knospe der Knospe. Und der Himmel des Himmels, eines Baumes namens Leben.
Der höher wächst als unsere Seele hoffen, unser Geist verstecken kann.
Das ist das Wunder, das den Himmel zusammenhält.

Ich trage dein Herz. Ich trage es in meinem Herzen.

 

Edward Estlin Cummings

1894-1962

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

I carry your heart with me

i carry your heart with me (i carry it in
my heart) i am never without it (anywhere
i go you go, my dear; and whatever is done
by only me is your doing, my darling)
i fear
no fate (for you are my fate, my sweet) i want
no world (for beautiful you are my world, my true)
and it's you are whatever a moon has always meant
and whatever a sun will always sing is you

here is the deepest secret nobody knows
(here is the root of the root and the bud of the bud
and the sky of the sky of a tree called life; which grows
higher than the soul can hope or mind can hide)
and this is the wonder that's keeping the stars apart

i carry your heart (i carry it in my heart)

 

Edward Estlin Cummings

1894-1962

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nähe des Geliebten

Ich denke Dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;

Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;

In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.

Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!

Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!

 

Johann Wolfgang von Goethe

1749-1832

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Und noch verliebter ward die Luft

Sie brachte einen Strauß herein,
Maiglockenduft zog in das Zimmer ein,
Und noch verliebter ward die Luft.

Sie schloß das Fenster gut und ging,
Und der Maiglockenstrauß zu atmen anfing,
Als eilt' er zu ihr durch das Haus.

Ich atmete mit und hörte manch Wort,
Das von ihr noch im Ohr fortsprach
Und lief ihr wie der Maiduft nach.

 

Max Dauthendey

1867-1918

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Wertvoll

 

Da gibt es einen Menschen,

den ich liebe,

der mir alles bedeutet.

Den Blumen und den Vögeln

habe ich von ihm erzählt,

und sie meinten,

er sei es wert.

 

Annegret Kronenberg

 

 

 

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Liebe kann sein

Liebe kann sein wie die Luft,
überall spürbar,
aber nicht mehr als ein Duft.

Liebe kann sein wie ein Baum,
tief verwurzelt,
ein Sturm bewegt ihn kaum.

Liebe kann sein wie ein Bach,
sprudelnd, fließend,
aber doch sehr flach.

Liebe kann sein wie du,
überraschend, neu,
ich schließe die Augen zu.

 

Hanns Kronenberg

 

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A Red, Red Rose

O, my luve’s like a red, red rose,
That’s newly sprung in June.
O, my luve’s like the melodie,
That’s sweetly play’d in tune.

As fair art thou, my bonie lass,
So deep in love am I,
And I will luve thee still my Dear
Till a’the seas gang dry.

Till a’ the seas gang dry, my Dear,
And the rocks melt wi’ the sun.
O I will luve thee still, my Dear,
While the sands o’ life shall run.

And fare thee weel, my only Luve,
And fare thee weel a while,
And I will come again, my Luve,
Tho’ it were ten thousand mile.

 

Robert Burns

1759-1796

 

 

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luve’s = love is  /  gang = go  / wi’ = with  / fare thee weel = fare the well

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Eine ausgezeichnete Übersetzung wird von Chris (John Corbett) in "Ausgerechnet Alaska",

am Ende des Serienteils in dem der Zirkus in die Stadt kommt, gesprochen.

 

 

Eine rote, rote Rose

Oh meine Liebe ist wie eine rote Rose,

die unlängst im Juni erblühte.

Oh meine Liebe ist wie eine Melodie,

die süß und zärtlich spielte.

So weit du auch bist mein schönes Kind,

so tief ist meine Liebe,

dass ich dich immer lieben werde,

bis das die Meere zerstieben

Bis das die Meere zerstieben mein Lieb,

und der Fels in der Sonne zerrinnt.

Ich werd dich immer lieben mein Kind,

während der Sand des Lebens verrinnt.

So leb denn wohl mein einziges Lieb,

so leb denn wohl und verweile.

Doch einmal kehr' ich zurück mein Lieb

und währen es zehntausen Meilen.

 

Robert Burns

1759-1796

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Erwachen XVI

 

Unsere Gedanken,

sie trafen sich

kurz,

viel zu kurz,

waren sie eins,

tanzten miteinander,

erleuchteten für einen Moment

das Universum.

Und verglühten...

Zu hell?

Zu schön? 

 

Dreamer

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Erwachen XXI

 

Heut Nacht will ich dich

auf Kirschblüten betten,

mit Sternenstaub

deck ich dich zu.

 

Mit Engelshaar

werd ich dich an mich ketten,

Elfenlachen

begleitet unsre Ruh.

 

Mondstrahlen flecht ich dir

ins Haar,

Tausende Sternschnuppen

erhellen unsre Nacht.

 

Und langsam werden

Traumgebilde wahr,

geschaffen durch

der Liebe Macht.

 

Doch die Sterne fliehen

voller Hast,

bezwungen von der

Sonne Schein

 

Ein letztes Lächeln,

du verblasst,

Der Zauber schwindet,

ich bin allein...

 

Dreamer

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 Erwachen III

 

Ein Lächeln,

wenn du traurig bist,

oder auch eine Träne,

die wir zusammen weinen,

heißer Tee,

wenn du erkältest bist,

dich zudecken,

wenn die Leidenschaft

der Nacht

das Bett mal wieder

zu zerwühlt hat.

Es sind die Kleinigkeiten,

aus denen Liebe besteht.

 

Dreamer

 

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Begegnung

Ich hätte mir der Sonne Gold ins Haar geflochten.
Doch Nacht war, als dein lieber Mund
dem meinen zeigte, dass wir zwei uns mochten;
einander lieben war noch nicht die Stund.

Nur einmal durften wir uns so begegnen,
zwei Wanderer in Einsamkeit.
Wir wussten, Rosen würden uns nicht regnen,
auch trugen wir zu stolz das Dornenkleid.

 

Und dennoch fiel es schwer, als das Verlassen
uns zwang, getrennt den Weg zu gehen.
Ein letzter Blick, ein zärtliches Umfassen,
wir sollten uns nie wieder sehen.

 

© Ingrid Herta Drewing

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Netzliebe

Internettes Lächeln,

Herztwitter

In der virtuellen Umarmung

wächst Mut

zur Liebe,

bis

der PC abstürzt.

 

© Ingrid Herta Drewing

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Werben früher und heute

Liebessonett

Kein Licht ersetzt das Strahlen deiner Augen,
kein Glanz erfreut mich wie dein Lächeln zart.
Kein Blütenstrauß mag mir süß duftend taugen
und keine Rose deiner Anmut Art.

 

Kein Meer so wild und weit gleicht meinen Träumen,
wenn ich gebannt dein liebes Bild nur seh’.
Ich pflanzte dir der Sterne Pracht in Bäume
und Rosenbüsche in den kühlen Schnee.

 

Ich würde für dich meine Schlösser geben
und alles Gold und Silber dir verweben,
wenn ich, ein armer Gaukler, reich auch wär’.

 

Hier stehe ich vor dir, schenk’ dir mein Leben
und hoffe, dich beglückt mein innig’ Streben.
Komm, reich mir deine Hand, ich lieb’ dich sehr!

 

Modernes Werben

Ich steh’ auf dich,
du auch auf mich?
Dann komm und lass
hier alles stehen!

Auch ohne Wisch
für dich und mich,
könnten wir doch
zusammen gehen!

 

© Ingrid Herta Drewing

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Liebe

Hoffen

Ich warte

auf dein Kommen.

In deinen Armen liegen!

Sehnsucht

Erwartung

Schmetterlinge tanzen

in meinem Herzen.

Ich möchte laut singen.

Freude

 

Begrüßung,

deine Umarmung,

dein lieber Blick

trifft tief in mein Herz

Liebe

 

© Ingrid Herta Drewing

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Der Kuss

Ich fühl’ ihn noch, es bebten unsre Lippen,
in deinen Armen liegend, ward mir heiß,
der ersten Liebe Kuss, ein zärtlich Nippen,
und langsam schmolz des Winters starres Eis.

 

Wir spürten eine Sonne, die uns strahlte,
und waren lieb geborgen in dem Traum,
der Glanz und Glück in unsre Augen malte,
und leise fiel der Schnee, wir merkten ’s kaum.

 

Seitdem ist sehr viel Zeit ins Land gegangen;
sie trennte uns, wir haben uns verloren,
gereift ein neues Leben angefangen
und liebend andre Partner auserkoren.

 

Jedoch an diesen Wintertag, den Kuss
muss ich noch heute manchmal lächelnd denken;
mir wurde damals schön und zart bewusst,
was Liebe ist, was sie vermag zu schenken.

© Ingrid Herta Drewing

 

 

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mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

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